Albrechtswiesen   (Popiollen)

 


Ansichtskarte von Popiollen 1914

Albrechtswiesen liegt an der Chaussee Angerburg-Goldap, nahe am Goldap-Fluß. 1899 wurde es an die in diesem Jahre fertiggestellte Bahnlinie Angerburg-Goldap angeschlossen.

Der Ort hatte 1939 eine Flächengröße von 965 ha und 494 Einwohner. Als letzter  Bürgermeister amtierte bis 1945 der Landwirt Emil Tarrach. Der 1874 geschaffene Amtsbezirk umfasste die 4 Gemeinden Albrechtswiesen, Birkenhöhe, Lindenwiese und Sonnheim.

Amtsvorsteher zwischen 1933 und 1945 war der Schwarzsteiner Landwirt Rudolf Klein.Die Umbenennung von Popiollen in Albrechtswiesen ist 1938 erfolgt. (Der Ortsteil Albrechtswiesen, Bahnhof gehörte zur Gemeinde Talheim.)

Die erste Erwähnung Popiollens datiert aus dem Jahre 1558, als hier 6 Zinsbauern und 3 Bender genannt werden, denen 39,5 Hufen verliehen wurden. Aber bereits kurze Zeit später, wurde die Gemarkungsfläche Popiollens (litauisch: Siedlung neben (=  po) dem Piolle) auf 15 Hufen verkleinert. Auf dem grösseren Areal ließ die herzogliche Verwaltung  1566 ein Vorwerk anlegen, seit der Ordenszeit in Preußen die gängige Bezeichnung für einen größeren staatlichen Gutsbetrieb, der unter der Leitung eines Amtmannes in Eigenregie geführt wurde. Gleichzeitig übte der Amtmann auch hoheitliche (z.B. gerichtliche, polizeiliche) Funktionen für die in seinem Umkreis gelegenen landesherrlichen Dörfer aus.

(Die sich erst seit dem 18.Jahrhundert einbürgernde Bezeichnung „Vorwerk“ für einen Nebenbetrieb größerer staatlicher und privater Güter ist in früherer Zeit noch nicht gebräuchlich. Die Bezeichnung „Domäne“ bzw.“ Domänenvorwerk“ ersetzt bei staatlichen Agrarbetrieben die ältere Bezeichnung  „Vorwerk“).

Zwischen den Vorwerken Sperling, Popiollen und Przyztullen (Kleinkutten) sowie Daimlacken (Angertal) besteht in ihrer Gründungsphase ein besonderes Beziehungsgeflecht. Abgesehen davon, dass alle drei Vorwerke zum direkten landesherrlichen Besitz gehören (Domanialbesitz), wird der 1540 erwähnte Dorfschulze von Sperling, Merten Sperling Schulze von Popiollen, als man in Sperling ein Vorwerk anlegt. Bei der Einrichtung eines Vorwerkes in Popiollen (1566), ebenfalls neben einem schon bestehenden Dorf gelegen, erhält Merten Sperling das Schulzenamt in Daimlacken (Angertal). Wie Toeppen berichtet, ist das ursprünglich in Przytullen gelegene Vorwerk 1566 nach Popiollen verlegt worden. In Przytullen wird aber eine Fläche von 6 Hufen für eine Schäferei reserviert, die dann dort auch bald eingerichtet worden ist. 

Die Einrichtung eines Vorwerkes in Popiollen wurde vermutlich vorgenommen, um die Scharwerksdienste der Bauern der schon vorhandenen oder noch zu gründenden herzoglichen Dörfer der näheren Umgebung wirksam nutzen zu können, auf die sowohl die staatlichen wie auch privaten (meist) adligen Bodeneigentümer seit der Mitte des 16.Jahrhunderts in immer stärkerem Masse zurückgriffen. Vom Scharwerksdienst ausgenommen waren in der Regel die Bewohner litauischer Kleinsiedlungen (etwa Janellen, Jurgutschen, Pietrellen, Sakautschen, Schupowen.)

Die Besiedungsgeschichte der Popioller Feldmark ist auch insofern besonders interessant, weil bei der Ersterwähnung (1558) als besondere bäuerliche Schicht, Bender genannt werden.

Bei ihnen handelt es sich um genossenschaftlich verbundene Bauern, die meist aus Litauen kamen und an ihren neuen Siedlungsorten eine Teilhaberbeziehung mit Zinsbauern eingingen, eine bäuerliche Partnerschaftsform, die in Litauen gebräuchlich war. Bender werden auch in anderen Gründungsurkunden von Dörfern erwähnt, die im Tal der Goldap lagen, z.B. in Benkheim, Surminnen, Gr. Sackau und in Gronden. Auch das ein weiterer Hinweis auf den starken Anteil litauischer Siedler vor allem im Tal der Goldap.

Das Vorwerk (die Domäne) Popiollen ist seit seiner Einrichtung bis 1683 auf mehr als das Doppelte seiner ursprünglichen Betriebsgröße angewachsen: auf insg. 52 Hufen, davon 17 Hufen Ackerflächen. Es stützte sich in diesem Jahr auf die Acker- und Gespanndienste von 87 erbuntertänigen Scharwerksbauern, nicht eingerechnet das Gesinde, welches direkt auf der Domäne wohnte. (Die Domäne Angerburg hatte 1683 eine Betriebsfläche von 21 Hufen.)

Die Vergrösserung der Domänenflächen dürfte auf die Kultivierung von Brachen, die weitere Waldrodung, ggf. die Einziehung von Bauernland oder auch die Bewirtschaftung von Äckern benachbarter Orte zurückzuführen sein, welche durch die Kriegswirren des 17. Jahrhunderts, besonders die Verwüstungen durch die Tatareneinfälle (1656/57) , während des Schwedisch-Polnischen Krieges (1655-60) verödet waren.

In einem von G. Ch. Pisanski, Rektor der Königsberger Domschule, 1764 verfassten Bericht über den Tatareneinfall heisst es: „Ein zahlreicher Schwarm Tartaren überschwemmte im Jahr 1656 das Hauptamt Angerburg…“ Im Februar 1657 erfolgte ein weiterer Einfall. „Bey diesem plötzlichen Ueberfalle sind abermals viele aus der Bürgerschaft (Angerburg) und dem Landvolke, welches eben zur Kirche gekommen war, theils erbärmlich niedergesäbelt, theils neben dem Vieh verbrannt: so, dass man…an 200 Erschlagene gezählet, die in ihrem Blute auf den Gassen gelegen, und deren Leichname, weil keiner da war, der sie begraben konnte, von den Hunden und Säuen gefressen sind.“ „Noch an eben demselben Tage …sind die zu diesem Hauptamte gehörigen Kirchdörfer Engelstein und Benkheim, so wie die Höffe Popiollen und Sperling nebst mehr als 12 anderen Dörfern in die Asche gelegt worden.“

Hans Georg v. Auer (1619-59), Amtshauptmann von Lyck und danach von Angerburg, dessen Epitaph sich in der Angerburger Stadtkirche befand, erhielt von Kurfürst Friedrich Wilhelm für seine zahlreichen Verdienste im Schwedisch-Polnischen Krieg und als Ersatz für sein Gut Pellen, Kr. Preußisch-Eylau, das er freiwillig verkauft hatte, um eine Freischar Dragoner zu finanzieren, zwei Domanialgüter im Kreis Angerburg: Popiollen und das Amtsgut Angerburg. Später ist aber Popiollen wieder in landesherrlichen Besitz übergegangen.

Für ostpreußische Verhältnisse dieser Zeit hat die Domäne Popiollen als ziemlich groß zu gelten. Die sehr ertragreichen Domänen in Balga und in Memel verfügten damals über jeweils 58 Hufen.

Um 1715 erhielt die Domäne Popiollen eine Schäferei sowie ein Gestüt. Die Domänenflächen hatten eine Grösse von rd. 52 Hufen. Davon waren gegen Zahlung eines Zinses rd. 15 Hufen der Dorfschaft Popiollen zugeschlagen. Die Getreide- und Viehnutzung der Domäne waren für die Zeit von 1712-18 an den Landschöppen George Mer für 578 Taler/jährlich verpachtet.

Um 1765 vernichtete ein Brand die Gebäude des Domänenvorwerks, das zu diesem Zeitpunkt noch zum Domänenamt Angerburg gehörte.

Wie einer Ämteruntersuchung von 1777 zu entnehmen ist, war Martin Hadeiker seit 1774 Pachthofmann auf der Domäne Popiollen. Hier hatte er die Nutzung der Milchkühe der Domäne für eine bestimmte Zeit gepachtet, zahlte dafür einen Pachtzins und war zur Lieferung einer festgelegten Menge an Milch, Butter und Käse für die Domänenwirtschaftverpflichtet.

Als Brauer waren 1777 Johann George Hantmann und als Branntweinbrenner Jacob Hiertier in Popiollen tätig. Als Krüger wird ein gewisser Fritz erwähnt.

Warum Catarina Urban, verw.Schulz als einzige Einwohnerin des Dorfes Popiollen sowie ihre 3 Söhne in den Akten der Ämteruntersuchung eigens erwähnt werden, ist nicht auszumachen. Einer ihrer Söhne diente im Amt, die beiden anderen in der Armee Friedrichs des Großen.

Ungewöhnlich ist es, dass 1777 in Popiollen keine Berittschulzen erwähnt werden. Vermutlich wurden ihre Aufgaben zwischenzeitlich noch von den den Domänenämtern in Angerburg bzw. in Sperling zugeordneten Berittschulzen wahrgenommen.

Popiollen bestand nicht nur aus Domänenvorwerk und Dorf, sondern übte auch die Funktion eines Domänenamtes aus. Als untere Verwaltungsbehörde für den landesherrlichen Besitz waren Domänenämter in Ostpreußen im Jahre 1722/23 geschaffen worden. Die meist von Adligen geleiteten Hauptämter waren seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts allmählich auf den Rang einer adligen Selbstverwaltung zurückgedrängt und zu Beginn der 50er Jahre, was ihre Zuständigkeit für den Domanialbesitz angeht, aufgelöst worden. Die vorgesetzte Behörde der Domänenämter des Litauischen Kammerbezirks war seit 1724 die Kriegs- und Domänenkammer in Gumbinnen. Aufgrund vielfältiger Klagen von Domäneneinsassen ist im Jahre 1770 durch König Friedrich den Großen die Gerichtsverfassung für die Domänen verändert worden. Jeweils mehrere Domänenämter wurden zu einem Justizamt vereinigt und mit einem Justizamtmann besetzt. Dieser wurde staatlich besoldet und erhielt keine Anteile an den Gerichtsgebühren mehr. Diese Regelung förderte die Unabhängigkeit der Rechtssprechung im Domänenbezirk. Der für das Domänenamt Popiollen zuständige Justizbeamte hatte seinen Wohnsitz in Treuburg. Neben den beiden älteren Domänenämtern in Angerburg und in Sperling ist in Popiollen ein Domänenamt erst um 1777 eingerichtet worden. Zu seinem Einzugsbereich gehörten insg. 40 Dörfer/Vorwerke.

Schon bald nach seiner Einrichtung wurde das Domänenamt Popiollen 1781 an den Amtsrat Michael Romeyke verpachtet. Der General-Pachtvertrag war zunächst bis Trinitatis 1789 befristet, wurde aber danach mehrmals verlängert, 1803 auf 12 Jahre bis 1815. Über die jeweils erneuerten Pachtanschläge liegen umfangreiche Berechnungen über Einnahmen und Ausgaben des Amtes Popiollen vor.

Die Generalpacht von Ämtern war von König Wilhelm I. 1727 zur vorherrschen Form der Domänenbewirtschaftung erklärt worden. Die selbständige Verpachtung einzelner

landesherrlicher Vorwerke oder von Teilnutzungen hörten unter diesem König grundsätzlich auf und wurden erst wieder von seinem Nachfolger (Friederich II.) etwas häufiger praktiziert. Dem Generalpächter war es allerdings gestattet, Teilnutzungen des Amtes (z.B. Krüge, Mühlen oder auch kleinere Wald- und Wiesenflächen) Unterpächtern zu überlassen.

Als Generalpächter wurden nur Bürgerliche akzeptiert. Diese durften im Regelfall keine eigenen Güter besitzen. In der Zeit vor Wilhelm I. war der landesherrliche Besitz (Vorwerke, Dörfer, Krüge, Mühlen, Fischereinutzungen,, Teerbrennereien u.a.) meist einzeln verpachtet worden. Die Verwaltung und die Eintreibung der dem Landesherrn zustehenden einzelnen Abgaben verursachten einen nicht unbeträchtlichen Verwaltungsaufwand. Dieser wurde mit der Einführung der Generalpacht verringert, und die Ämterbewirtschaftung konnte durchsichtiger gestaltet werden.

Der Generalpächter in Popiollen war nicht nur für die Bewirtschaftung der Vorwerksländereien in Popiollen und in Przytullen, sondern auch für die Polizeiverwaltung, die Steuereintreibung sowie für die Gerichtsbarkeit innerhalb der Grenzen des Domänenamtes verantwortlich, für die Gerichtsbarkeit allerdings seit der Schaffung von Domänenjustizämtern nur noch in eingeschränktem Umfang.

Die von den Amtseinsassen zu leistenden Zinsabgaben sowie sonstige von ihnen geforderte Leistungen wurden dem Domänenbeamten mitverpachtet, und er haftete für die fristgemäße Eintreibung und Weitergabe an die Landeskasse. Ihm war es aber untersagt, Zinsen und Abgaben nach eigenem Ermessen festzusetzen. Er musste sich streng an die Vorgaben des Verpächters (Landesherrn) halten. Ebenso waren die Einnahmen des Generalpächters aus der Mitwirkung bei der Gerichtsbarkeit durch penible Vorschriften geregelt. In seinem großen Geschäftskreis standen dem Pächter natürlich mehrere Unterbeamte und Hilfskräfte für die Erledigung der laufenden Arbeiten zur Verfügung.

Zum Domänenamt Popiollen gehörten 1785  2 Vorwerke (Popiollen und Przytullen) sowie 36 Dörfer mit 765 Feuerstellen. Kirchdörfer im Domänenbezirk waren Buddern, Kruglanken und Kutten. Auf dem Vorwerk und im Dorf Popiollen existierten 1785 zusammen 17 Feuerstellen. Auch wurde hier eine Windmühle betrieben.

Im gesamten Domänenamt Popiollen sind für das Jahr 1798 die folgenden Besitzstellen nachgewiesen : Kölmer, Freie, Lehnschulzen: 125; Setzschulzen: 5; Müller: 2; Vollbauern: 423; Halbbauern: 4; Witwen im Besitz von Bauernhufen: 22; Scharwerksbauern: 256; Kossäten: keine; Eigenkätner, Büdner: 65; Krüger: 8; Gärtner.

Diese Verteilung kann für den ostpreußischen Domanialbesitz dieser Zeit in den Litauischen Ämtern als typisch gelten, wenn auch die Anzahl der den jeweiligen Besitzqualitäten zuzurechnenden Stellen, abhängig von orts- und bodenspezifischen Besonderheiten, unterschiedlich war. Auffällig ist, dass die Zahl der Eigenkätner, Büdner und Gärtner, also die der „Kleinlandwirte,“ ziemlich hoch ist. Sie waren auf Lohnarbeit beim Domänenvorwerk bzw. bei größeren Bauernbetrieben angewiesen, weil sie wegen ihres meist nur sehr geringen Bodenbesitzes ihre Existenzgrundlage nicht anders sichern konnten. Die scharwerkspflichtigen Bauern des Domänenamtes wurden durch sie vom Acker- und Hofscharwerk entlastet, mussten dafür aber höhere Zinsen an den Landesherren zahlen. Das Vorhandensein von Lohnarbeitern auf dem Lande war eine Vorbedingung für die Ablösung der Scharwerksdienste, wie sie durch die Stein- Hardenbergschen Reformen realisiert wurde, und zwar nicht nur auf dem Domänenbesitz, sondern auch beim adligen Großgrundbesitz.

Die Reformgesetzgebung in Preußen zu Beginn des 19.Jahrhunderts ist durch die Niederlage Preußens bei Jena und Auerstedt (1806) und die Folgen des Tilsiter Friedens (1807) vorangetrieben worden. Um die hohen Kriegslasten, die während der Kriege gegen Napoleon I. entstanden waren, begleichen zu können, sah sich der preußische Staat genötigt, Teile seines umfänglichen Domanialbesitzes zu veräussern, und er begann damit in Ostpreußen.

Das Domänenvorwerk Popiollen wurde im Jahre 1815 an den Besitzer der Beynuhner Begüterung (Kreis Darkehmen), Herrn v. Farenheid, für 52.703 Reichstaler, davon nur 1503 bar, der Rest in Staatspapieren verkauft. Ebenso wurden die Domänen Przytullen (1820) und Angerburg (1832) veräussert. Die Käufer von Domänen wurden, auch wenn nicht adlig, der Klasse der Rittergutsbesitzer zugerechnet, sofern die Erwerbung vor 1825 erfolgt war. Die Betriebsfläche des Domänenvorwerks Popiollen hatte 1808 bei 92 Hufen, die Pachteinnahmen hatten in diesem Jahr bei 2225 Reichstalern gelegen.

Nach dem Verkauf des Domänenvorwerks wurden die verbleibenden Verwaltungsaufgaben des Domänenamtes dem neu geschaffenen Intendanturamt Popiollen (Sitz Gronden) übertragen. Der Intendant überwachte als Vertreter der landesherrlichen Gewalt die Einnahmen und Ausgaben des Amtes. Ausserdem handhabte er die Polizeigewalt in seinemAmtsbezirk und beaufsichtigte die Wirtschaftsführung der Einsassen sowie ihre sittliche Lebensführung.

Die Aufhebung des Scharwerks in Popiollen erfolgte bereits in den Jahren 1804-1806, also noch vor dem amtlichen Erlass über die Bauerbefreiung.

1846/47 befanden sich im Dorf Popiollen 17 Häuser, und es lebten hier170 Personen. Auf dem Rittergut zählte man 8 Wohnhäuser und 240 Einwohner.

1818 war der Kreis Angerburg als neue Verwaltungseinheit gegründet worden. Ihr wurde jetzt auch das bisherige Intendanturamt Popiollen (Sitz: Gronden) einschl. der Kassenverwaltung zugeordnet.

Um 1860 gab es (ebenso wie in Klein-Sunkeln ) in Popiollen eine Käsefabrik. Die Benkheimer Beschälstation (3 Deckhengste; Deckgeld: 2-3 Taler) war kurz vorher nach Popiollen verlegt worden.

1897 lebten im Dorf Popiollen 202 und auf dem Rittergut 200 Menschen.

1903 befand sich das Gut Popiollen mit einer Betriebsfläche von 663,25 ha im Besitz von Heinrich Warkentin. Er widmete sich vor allem der Rinder- und Pferdezucht und betrieb eine Dampfbrennerei, seit den 20er Jahren auch ein elektrisches Werk und eine Flockenfabrik.

Letzter Besitzer des Gutes Popiollen war Herr Blunck. Der Gutskomplex ist dann zwischen 1929-33 in bäuerliche Siedlungen umgewandelt worden, ebenso wie das vormalige Remontedepot in Sperling und auch mehrere Privatgüter im Kreis Angerburg. Das Popioller Acker- und Wiesengelände ist immer durch die Überschwemmungen durch die Goldap beeinträchtigt gewesen. Vor allem in den Jahren 1919 und 1923 traten starke Sommerüberfultungen auf, die großen Schaden anrichteten.

Vor der Aufsiedlung des Popioller Gutes sind durch Dränagearbeiten Bodenverbesserungen durchgeführt worden, durch die gerade für die entstehenden kleineren landwirtschaftlichen Betriebe eine rentable Wirtschaftsführung überhaupt erst möglich wurde. Dränage- und Entwässerungsarbeiten sind auch bei der Aufsiedlung der Güter in Stawken, Pristanien Wenzken, Vorwerk Rosengarten, vor allem aber in Siewken und Kl. Budschen erforderlich gewesen, da anderenfalls kein Siedler zum Kauf bereit gewesen wäre.

Auf der Popioller Gutsfläche entstanden durch die Aufsiedlung insg. 46 neue Siedlerhöfe, und zwar 8 mit einer Hofgrösse zwischen 2-5ha; 4 Höfe mit einer Grösse zwischen 5 und 10 ha; 11 Höfe mit einer Grösse zwischen 10 und 15 ha; 19 Höfe mit einer Grösse zwischen 15 und 20 ha sowie 4 Höfe mit einer Grösse zwischen 20 und 50 ha. (Schibilla). Im Gefolge der Ansiedlungspraxis hatte sich die Einwohnerzahl der Gemeinde bis 1939 gegenüber dem Ende des 19.Jahrhunderts um etwa 90 Personen erhöht. Und das war in einer Zeit anhaltender Landflucht (Abwanderung in städtische Industriebezirke) ganz beträchtlich und auch sozialpolitisch erwünscht.

Popiollen gehörte zum Kirchspiel Buddern. Die dortige Kirche war auf Bitten der Einwohner, die König Wilhelm I. gegenüber geklagt hatten, dass der Weg nach Angerburg oder nach Benkheim zu weit sei, nach Einschaltung des Popioller Amtmannes v. Waldenburg errichtet und 1739 durch den Angerburger Propst Helwing eingeweiht worden.

Eine Schule ist in Popiollen 1752 gegründet worden. 1852 besuchten diese 43, 1928  42 und 1935  39 Schulkinder. Als Schulland wurden 1929 15 Morgen genutzt. Die Schule war ab 1922 zweiklassig organisiert. Erster namentlich bekannter Schulmeister war um 1766 Michael Hein. Von etwa 1900 bis 1925 unterrichtete hier Friedrich Meiert. Letzte Stelleninhaber waren Georg Friedrich ( + 1966) und (als zweiter Lehrer) Wolfgang Lindenberg (gef. 1942). Der 1938 errichtete Neubau des Schulgebäudes ist 1945 zerstört worden.

Popiollen lag während des 1. Weltkrieges in den Jahren 1914/15 (Masurenschlachten) nicht im unmittelbaren Kampfgebiet, obwohl seine Einwohner sich in dieser Zeit zweimal auf die Flucht begeben mussten. Auswirkungen der Kampfhandlungen haben aber auch hier ihre Spuren hinterlassen. Auf dem Popioller Gemeindefriedhof sind 2 russische Soldaten, auf dem Gutsfriedhof 7 und im Gutsgarten 2 beerdigt worden.

Während des 2. Weltkrieges waren Popiollen und seine nähere Umgebung in keine größeren Kampfhandlungen verwickelt. Im Gefolge dieses Krieges und der Ereignisse der Nachkriegszeit hat sich aber der Gebäudebestand der Gemeinde merklich verringert. Die Bahnstrecke Angerburg–Goldap ist noch von der sowjetischen Besatzungsmacht demontiert worden.

 

Quellen: Schmidt, Pfeiffer, AHB, Schibilla, Rech.Vf.

Zusammenstellung: Georg Malz