Bücher 

Eduard Anderson
Der Kaufherr Thomas Anderson (1687-1688)

   Der Wagenunfall eines alten Lycker Diakons und der räuberische Überfall auf den Planwagen des Kaufherrn Thomas Anderson führen bereits am Anfang des Geschehens die Hauptpersonen des vorliegenden Romans zusammen. Ort dieser Vorfälle ist die Landstraße Königsberg – Pr. Eylau – Bartenstein – Rastenburg im Spätherbst 1687. Thomas Anderson ist bei der Betreuung des am Fuß verletzten Diakons Schwindovius und der Reparatur seines Reisegefährts behilflich und kommt dabei in ersten Kontakt zu dessen Tochter Esther. Sie wirkt auf ihn anziehend und sympathisch, und am Schluss des Romans wird er sie heimführen – nach Überwindung zahlreicher Hemmnisse, die durch Missverständnisse und religiösen Starrsinn entstanden sind.

   Mit dem missglückten Raubüberfall stellt der Autor auch eine Person vor, die einen weiteren Handlungsstrang des Romans eröffnet: den ehemaligen Söldner Schieler, der durch chaotische Zeitumstände zum Bettler und Straßenräuber geworden ist. Mit ihm werden die kriegerischen Wirren zwischen Preußen, Polen und Schweden während der Regierungszeit des Großen Kurfürsten in das Erzählgeschehen eingebracht. Diese Wirren, und vor allem die mit ihnen einhergehenden Tatareneinfälle der Jahre 1656/57, haben in der Erinnerungstradition Ostpreußens tiefe Spuren hinterlassen.    


Roelof van Gelder

Naporras Umweg

Das Leben eines VOC-Seemanns (1731-1793)

Naporras Umweg

Im Jahr 1757 begann Georg Naporra sein Leben zu dokumentieren, was ein einzigartiges Dokument hervorbrachte. Der erste Teil von Naporras handschriftlicher Autobiographie, die seine Jugend und sein Leben als Matrose im Dienst der Niederländischen Ostindien-Kompanie beschreibt, wurde vor ein paar Jahren vom Historiker Roelof van Gelder im Rotterdamer Schifffahrtsmuseum entdeckt. Die detaillierten Beschreibungen geben einen Einblick in das Leben an Bord eines Ostindienfahrers, gesehen durch die Augen eines Crewmitglieds.

Naporra war gerade fünfundzwanzig, aber er hatte schon mehr als die meisten Menschen in seinem ganzen Leben gesehen. Er stammte aus einer freien Bauernfamilie im Kreis Angerburg/Ostpreußen und reiste nach Amsterdam, wo er der East India Company beitrat. Er war nach Niederländisch-Ostindien gesegelt und hatte, anders als viele seiner Kameraden, sowohl die Hin- als auch die Heimreise überstanden.

Ausgehend von Naporras Lebensgeschichte, die mit Informationen aus zahlreichen anderen Quellen angereichert ist, rekonstruiert Van Gelder in Naporras omweg die Aufgabenverteilung an Bord, die Krankheit und Gefahren, die die Besatzung bedrohten, und die gegenseitigen Beziehungen zwischen Offizieren und Männern. Naporra war ein genauer Beobachter und notierte sogar das komplette Menü der Woche, das der Crew serviert wurde. Er ist diskret über die regelmäßige Inzidenz von Sodomie, aber Van Gelder gelingt es sogar, den Umfang dieses Phänomens und die strikten Bestrafungen zu beschreiben.

Wie viele andere Seemänner verfluchte Georg Naporra fortwährend sein Leben. Wie jemand dennoch der Handelsmarine beitritt, wird im ersten Teil von Naporras Chronik beschrieben. Überflüssig auf der Farm seines Vaters, zu gut für das Leben eines Lakaien und ein Versagen als Kaufmannshelfer, wird er vom Mysterium des Orients und dem Versprechen, schnell reich zu werden, verführt.

Letzteres gelang ihm schließlich. Naporra landet in Danzig als wohlhabender Kaufmann, vermutlich mit Gewürzen. Für den letzten Teil der Geschichte konnte Van Gelder nicht auf Naporras Autobiografie zurückgreifen, da der zweite Teil noch fehlt. Dank seiner großen Kenntnisse der Geschichte, der lokalen Forschung und vor allem seiner lebhaften Feder gelingt es ihm immer noch, den Leser in die reichen Details seines späteren Lebens zu stürzen. In diesem Buch klingt Naporras Stimme aus der Vergangenheit, als würde er uns seine eigene Lebensgeschichte erzählen.