Engelstein


Ansichtskarte von Engelstein
Am Engelsteiner See (0,74 km²) liegt das 1406 gegründete Dorf. Die Ordenskirche ist die älteste im Kreis Angerburg,
und die Einwohner von Angerburg sollen durch den noch nicht aufgestauten Mauersee über den "Kirchensteig" nach 
Engelstein zur Kirche gegangen sein. - Auf dem unteren Bild ist rechts die "Alte Schanze", eine Verteidigungsanlage
aus der5 Prußenzeit erkennbar.

Aus der Geschichte des Ortes Engelstein

Aus dem Angerburger Heimatbrief 68 (1973)

Die Gründung des Kirchspiels Engelstein fällt mit der Anlage des Dorfes zusammen. Man muss sich vergegenwärtigen, dass die unabhängigen und freiheitsliebenden Pruzzen sich in dieser Gegend besonders lange und heftig gegen die Christianisierungsversuche gewehrt haben -, also gab es hierbei Erfolge und Rückschläge. So stand im ganzen Umkreis zunächst nur eine einzige Kirchenkapelle in Engelstein, die im 13. Jahrhundert, nach der Eroberung des pruzzischen Gaues Barten, gebaut worden sein soll, aber bei den verschiedenen Wirren und Raubzügen wieder zerstört wurde und schließlich zu einer einsamen Ruine im Walde verfiel. - Zu dieser Zeit konnten sich weder der im Kriege verwickelte Orden noch der ermländische Bischof, dem dieses Gebiet geistlich unterstand, um die Kolonisten oder die Anlage von Kirchen kümmern. Nur einzelne Mönche reisten umher und tauften bekehrte Preußen oder die Kinder der Kolonisten.

So waren es auch Siedler aus dem Westen, durch einen „Lokator" angeworben, die sich auf eigene Faust in diese Wildnis wagten. Das Leben, das sie erwartete, war schwer. Das Wort „Dem ersten der Tod, dem zweiten die Not, erst dem dritten das Brot", galt seinem vollen Sinne nach für diese ersten Generationen im Neuland des Ostens.

Wie bereits im Heimatbrief 34 berichtet, hatten diese Siedler schon am „See Rösau" angefangen zu roden und zu bauen, als sie auf die oben erwähnte Kapellenruine stießen, in der bereits Bäume und Gestrüpp wucherten und die eine Behausung der Wildschweine geworden war. Die Männer betrachteten dieses als einen Fingerzeig Gottes und waren obendrein sicherlich froh, sich den völligen Neubau einer Kirche ersparen zu können. Man brauchte nur zu säubern und auszubauen. (Die Maße des Altarraumes der späteren Kirche stimmten mit den Maßen der alten Kapelle überein, vgl. Braun.)

Außerdem war dieses liebliche Tal am See hinter dem 149 m hohen Fuchsberg* günstiger gelegen als der Standort Rehsau, denn die alten Pruzzen hatten es schon zu ihren Zeiten durch aufgeschüttete hohe Schanzen so gesichert, dass nur ein tiefer Hohlweg (der erst 1887 zur neuen Chaussee ausgebaut wurde) den Eingang bildete. Daher stammt auch der Name Engelsteins. Angela heißt Eingang und Angelsteni sind die Bewohner eines solchen Eingangs.

Nun brauchten die Kolonisten sich nur noch unter den Schutz des Ordens zu stellen. Ordensmarschall Ulrich von Jungingen gründete Engelstein also offiziell als Zinsdorf am See Steinweiken und verlieh es 1406 einem gewissen Hans Flinsbach als „kölmisches" Dorf. Das heißt, die rechtlichen Grundlagen waren das „Kulmer Recht", das seit 1233 mit der Gründung der Stadt Kulm verkündet und für das Gebiet des Deutschen Ordens verbindlich war. Es stellte den dem Christentum zugeführten Pruzzen gleichberechtigt (!) neben den eingewanderten Siedler und gab den Orten weitgehende Selbständigkeit und Gerichtbarkeit.

Aus dem Gebiet unseres Kirchspiels gibt es mehrere solcher „Handvesten", alte Verschreibungsurkunden, denn der Ritterorden legte größten Wert darauf, dass die staatsrechtlichen Grundlagen gesichert waren. Er war ja nicht als Landräuber gekommen, sondern zu Hilfe gerufen worden.

In Gr. Guja bestand ein Ordenshaus, die Handveste für „Goye" (=Guja) wurde 1406 von dem damaligen Hochmeister Konrad v. Jungingen ausgestellt. Auch später wird berichtet von:

a) einer „Handveste" für den getreuen Hans Haffstädt, über den See Rehsau gegeben

b) einer Verschreibung dem getreuen Peter Lüdike über einen Krug in Engelstein

c) einen Kaufbrief für den 6-Schultzen-Huben zum Dombroffken.

Es ist auch die Rede von einer „Festung", die östlich von Perlswalde gebaut wurde.

Über welch ein großes Gebiet sich das Kirchspiel Engelstein noch lange Zeit erstreckte, ersehen wir aus einem „Privileg der Dorfschaft Kehl de Anno 1478". Dort heißt es:

„Die Inwohner des gemeldeten Dorffes sollen ihren Kirchgang und Gottesrecht thun und suchen zu Engelstein gleichen Thiergarten... Geschehe es aber, daß man eine Kirche vorm Schloß Angerburg bauen würde, so sollen sie zu derselben Kirche und nicht zu Engelstein gehören".

Am 13. 12. 1484 wird vom ermländischen Bischof der Pfarrer Johannes Lichtscher aus der Diözese Kulm in Engelstein angestellt. Es ist schwierig und im Grunde auch nicht wichtig, die Namen aller Pfarrer herauszufinden. Mit Sicherheit weiß man aber, dass zwei Geistliche in diese neue Kirche geschickt wurden, obwohl die Zahl der Gemeindeglieder viel geringer war als im 20. Jahrhundert. Engelstein hatte neben dem Pfarrer bis zum Jahre 1742 noch einen Kaplan.

Manche wertvollen Andenken an die Zeit vor der Reformation waren in der Kirche zu Engelstein erhalten. Neben dem 32 m hohen Kirchturm stand ein großes Weihwasserbecken aus Granit, zu dem einst die Fischer und Bauern aus Kehlen, Thiergarten und auch aus Angerburg gepilgert sein mögen, um sich dort segnen zu lassen oder die Messe zu hören. Auch die kleinste der Glocken hat zwar keine Jahreszahl, aber die gut lesbare Inschrift „in die ehr Gottis * Marien * aller Hilgen". Die anderen beiden Glocken wurden im Auftrag des Pfarrers Borcius von dem Königsberger Johann Jacob Dornmann 1721 n. Chr. gegossen.

Es ist nicht sehr viel aufgeschrieben worden über das Auf und Ab in den folgenden Jahren. Interessant ist wohl noch eine Schilderung über den Tatareneinfall, den ich nach D. H. Braun wörtlich wiedergebe:

„Sehr übel hausten die Ta(r)taren in Engelstein. Sie überfielen den Ort am 11. 2. 1657, am Sonntage Estomini nachmittags, nachdem sie die Nacht zuvor Angerburg zerstört hatten. Einen gewissen Willigmeit hieben sie auf der Schwelle des Pfarrhauses in Stücken. Der Pfarrer Reimer hatte sich mit mehreren Einwohnern des Dorfes in die Kirche geflüchtet und dieselbe fest verriegelt. Mit ihren Spießen durchlöcherten die wilden Horden die Kirchentüre und hätten an den in der Kirche versteckten Leuten die schändlichsten Grausamkeiten verübt, wenn sie nicht zum Glück durch die Nachricht, dass die kurfürstlichen Truppen im Anzuge wären, daran gehindert und zu schleunigem Abmarsch veranlasst worden wären. Vor ihrem Abzuge hieben sie noch einem alten Wirten an einem Brunnen den Kopf ab zum Dank dafür, dass er sich vor ihnen gedemütigt und dienstbeflissen gezeigt hatte. Noch an demselben Abend sah man die Flammen des brennenden Drengfurth."

Die Dörfer Prinowen, Wilkowen und Thiergarten wurden im Jahre 1740 vom Kirchspiel Engelstein abgezweigt und Angerburg zugeordnet, Jakunowen erst im Jahre 1856.

Soweit konnten die Begebenheiten aus den unten angegebenen Quellen (im Angerburger Archiv) entnommen werden. Da unser letzter Pfarrer, Herr Fritz Wolff, viel zu früh in der Ostzone verstorben ist, ebenso 1945 der Kantor und Rektor Bruno Jung, der die Belange des Kirchspiels gut kannte, macht es große Schwierigkeiten, Daten und Berichte aus den letzten Jahren zu ermitteln und mit Genauigkeit zu berichten. ... M. P.

Quellen:

1. L. R. v. Werner: Historische Nachricht von der Stadt Angerburg 1751
2. Adolf v. Bötticher: Bau- u. Kunstdenkmäler der Prov. Ostpr. 1896
3. D. H. Braun: Aus der Masurischen Heimat.

4. W. Obgartel: Der Regierungsbezirk Gumbinnen.

Hier ein erster Nachtrag:

Aus einem Brief des Amtsvorstehers Bruno Jung von 1941 ist ersichtlich, dass am 20. Juni 1941 die Eisenbahnverbindung Angerburg - Rastenburg auch für die Engelsteiner gesperrt wurde, so dass sie nur noch den Bahnhof Primsdorf mit einem sehr schlechten Zufahrtsweg dorthin, benutzen konnten. Das war eine Folge des Ausbaues und der Belegung des Hauptquartiers im Mauerwald durch das Oberkommando des Heeres (OKH).

* Der „Grodzisko" wurde von den Engelsteinern auch Schloßberg genannt. Er bildete oben eine geräumige flache Ebene, die ringsum durch eine Erdaufschüttung, also einen kleinen Wall, eingeschlossen war. Die Sage machte daraus die Stelle, an der einst ein Schloss in die Erde versunken sein sollte; man sah ja noch die grundrissartig begrenzte Fläche!


Dorfskizze von Engelstein aus AHB 68 (1973)

 

 Familienliste von Engelstein (vor 1945)
ohne Abbauten. Die Namen der Einwohner vor der Evakuierung 1944 sind in Gemeinschaftsarbeit
ehemaliger Bewohner zusammengestellt worden.

Ergänzungen und Richtigstellungen von Namen, Berufsbezeichnungen und Gebäudezuordnungen
bitte an webmaster@angerburg.de schreiben. Ihre Angaben werden kurzfristig in die Liste übertragen.

Namen  Plan Nr.
zu Waldemar Posenauer, Fam. Tusel 23
Wilhelm Selke, Stellmacher 24
Otto Gurg, Postschaffner zw. 23 u. 25
? , Fleischbeschauer 25
August Rehan, Altsitzer 26
Karl Burghardt, Pächter der Bäckerei (Besitzer K. Lehmann) 27
Insthaus Wiemer: Mulk, Murrach, Karl Müller, Straßenwärter 28a
Rudolf Kommnick, Schmiede 30
Geschwister Perband, Landwirte 31
Eugen Wiemer, Landwirt 32, 32a Insth.
Ernst Kibbert, Stellmacher; Gallandi, Müller; Bahnbeamter und Küster 33
Gemeindehaus, Hanne Groppler 34
Ernst Gallwitz, Kolonial- und Gemischtwaren, Besitzer K. Lehmann 35
Artur Falk, Fischer am See 36
Feuerwehr-Spritzenhaus 37
Gemeindeschwester Thea Seitz 38
Lothar Wolf, Bäckerei; Polenz 39
Alwine Graap, Gastwirtschaft und Saal, Lebensmittel 40
Karl Gallandi, Landwirt 41
Paul Odzcuck, Geil 42
Franz Töpfer, Tischlermeister und Landwirt, Terner, Albert Thiel 43
ev. Pfarramt (Pfarrer Fritz Wolff), Wirtschaftsgeb. von Otto Krüger 44
Schule (Bruno Jung, Rektor und Kantor), Wirtschaftsgebäude 45
August Chroziel, Landwirt 46
Willi Rehan, Landwirt, (Rudi und Marie) 47
Raiffeisen-Kasse (Artur Grenz, Geschäftsführer) Scheune, H. Beidokat 48
Hans Beidokat, Gastwirtschaft, Lebensmittel 49
A. Danowski, Dreyer 49a
Fritz Schiemann, Maurer 50
Auguste Bertram, Grannas, Dachdeckermeister 51
Ribbek, Tischler, Besitzer O. Krüger, (ausgebaute Scheune und Anbau) 52
Post, Emma Gähler, Polizei, Kollberg dann Rohde, Willi Barkowski? 53
Auguste Grannas (Mehrfamilienhaus) 54
Ludwig Thies, Straßenmeisterei 55
Mehrfamilienhau Besitzer Robert Bialeit, Rasch Schuster, Battke, W. Mulsk, Sachitzki 56
Gustav Schiemann 57
Molkerei Karl Lehmann, Insthaus Hirsch 58
Geschwister Skriboleit 59
Gustav Haase, Postschaffner 60