GASTSTÄTTE "GAUER"
Ehemalige Fleischerherberge

Erinnerung an Angerburgs Gaststätten von Gerhard Freundt

Wie schon zuvor erwähnt, lag gegenüber der Brauerei Kinderhof die "Gaststätte Gauer". Einst gehörte dieses Haus einem Herrn Britt, dann wurde es von dem Kaufmann Ziegler übernommen. Als der gestorben war, heiratete Frau Ziegler den ebenfalls zum Witwer gewordenen Obermeister der Fleischerinnung, Heinrich Kroll, wodurch das Lokal das Innungshaus der Angerburger Fleischer wurde. Hier wurden dann die mit Beschlägen aus Schmiedeeisen reich verzierten zwei "Bundesladen" mit den Urkunden der Innung aufbewahrt, und hier steckte aus der Dachluke auch die blutrote, goldbefranste, einen Ochsenkopf und Fleischerbeile zeigende Innungsfahne heraus, wenn die Fleischer ihr "Quartal" hatten. So ein Quartal endete immer mit einem guten, reichlichen Festessen und anschließendem gemütlichen Beisammensein. Einen Grund dazu gab es immer: War es der Freispruch von Lehrlingen oder galt es, einen jungen Meister in seiner neuen Würde und seine Aufnahme in die Innung zu feiern. Ein paar Zimmer in diesem Hause dienten auch als Fleischerherberge, in denen Wanderburschen, nach altem Brauch von der Innung mit Rat und Tat betreut, vorübergehend Unterkunft und Verpflegung fanden.