RESTAURANT "VIKTOR GRUNDMANN"

Ein "Ratskeller" im kleinen

Erinnerung an Angerburgs Gaststätten von Gerhard Freundt

In der Königsberger Straße gegenüber dem Kirchenberg konnten die Angerburger im Delikatessengeschäft "Brettschneider, Inhaber Viktor Grundmann, " all das käuflich erwerben, was damals zu den höheren Genüssen des Gaumens und der Kehle gerechnet wurde. Kam irgendetwas an Delikatessen oder edlen Getränken auf den Markt, dann war es auch bei Viktor Grundmann zu haben. Geprobt und gelobt wurde alles erstmalig in der kleinen, gemütlichen, im altdeutschen Stil eingerichteten Bierstube hinter dem Verkaufsraum. Viktor Grundmann hatte einst als "junger Mann" im selben Geschäft begonnen. Er war so tüchtig, daß sein Chef, Brettschneider, ihm seine Tochter zur Frau gab und beiden das gutgehende Geschäft überließ, das dann auch immer zu den besten dieser Branche zählte. Leider wurde die junge Frau Grundmann von einer heimtückischen Krankheit heimgesucht. Noch jung an Jahren, starb sie. Viktor Grundmann heiratete darauf eine Tochter aus der Familie Arlart. Dieser Ehe entsprossen drei Kinder. Nachdem sein Schwiegervater Brettschneider gestorben war, gewann Viktor Grundmann zunehmend an Ansehen und Einfluß in unserer Stadt. Er gehörte bald dem Magistrat an, und auch in seinem Restaurant fanden sich die Honijratioren zu Besprechungen und zum gemeinsamen Trunk ein. Dieses Restaurant war gewissermaßen ein "Ratskeller" im kleinen. Was hier bei Wein und Bier besprochen wurde, fand oft bei den Sitzungen des Magistrats nur noch seine offizielle Bestätigung. Ja, ich erlebte sogar, daß "kleine Leute", die bei der Stadtverwaltung ein Anliegen hatten, lieber hier bei den Herren ihr Herz ausschütteten, als daß sie zum Rathaus gingen, wo der Magistrat für ihr Empfinden durch die Bediensteten des Rathauses abgeschirmt war und der Bittsteller möglicherweise durch sie aus eigenem Ermessen abgewiesen werden konnte.