Eigentliche Nachricht von der so genandten Blau-Asche in Preussen


Anno 1718, Julius

 

Der vorher gegangenen Relation fügen wir nicht unbillig noch diejenige, so uns von der Bereitung der Blau – Asche in Preussen, anderthalb Meilen von Angerburg; in den Hoch- Gräffl. Truchstschen Wäldern bey Launiken, als einer Specie der Potasche, der gelehrte, curieuse und fleißige Theologus in Angerburg, M. Georg Andr. Hellwing, folgenden Innhalts communiciret:
„Es ist die Blau – Asche eine von allerhand gebrandten Holze zubereitete Asche, als nemlich von Linden, Espen, Buchen, Weiden, Erlen, Eichen, Haseln, Eschen, etc. das kühnichte Holz, als Tannen, Fichten u.d.g. taugt dazu nicht. Solches  Holz wird erstlich unter freyen Himmel zu Asche verbrandt: Hernach wird die Asche unter einem Schauer, damit sie trocken liegen möge, verwahret. Wenn nun eine ziemliche quantirdt beysammen, so wird sie geschmolzen. Zu einem Faß aber gehören 20 Tonnen graue oder schlechte Asche, 1 Tonne aber hat 2 Preußische Salz-Tonnen, oder 180 Stopff. Hiermit aber gehet es also zu: Es wird die beste Asche von der schlechteren separiret, in einen gewissen dazu bereiteten Ofen geworffen, und so lange gebrandt, biß sie zum schmelzen kommt. Solches schmelzen aber wird befördert durch eine Lauge, welche von der schlechteren Asche gemacht ist, damit die im Ofen befindliche bessere Asche allemahl begossen, und mit Kricken durcheinander gezogen und gerühret wird, biß die materie dicke wird; worauf sie zum schmelzen komt. Die Lauge aber wird gekocht, so lange, biß sie dicke wird, dass eine Haut einen Finger dicke darauf stehet; und solche Lauge wird Polnisch Ohrassa oder Abmachsel genandt. Wann nun die Asche vollkommen gebrandt und durcheinander geschmolzen ist, so siehet sie blaulicht aus, und wird in grosse und kleine Fässer hart gepacket.
NB. Wenn die Asche von Linden, oder andrem weichen Holze gemacht ist, fällt sie lichte blau; ist sie aber von harten Holze, so ist sie dunckelblau:
Solche fertige Blau-Asche wird von den Preussen Masugga genennt. Hiermit wird ein grosser Handel getrieben: Die Fässer werden nach Königsberg, Elbing, Thorn, und Danzig verführet, von dannen sie weiter biß nach Holland und Engeland versandt wird: Das Schiffpfund wird gemeiniglich, wenn sie gut ist, vor 15 fl. Preußisch verkaufft, oder vor 5 Thaler. Die Aschen-Brenner geben dem Eigenthums-Herren Arende von jedem Faß 6 fl. 6 gl. Preußisch, und sind dabey befugt, alle Victualien, Bier, Brandtwein, etc. von den Eigenthümern zu erkauffen. Es arbeiten dabey zum wenigsten 20 biß 24 Mann; und wird gedachte Blau-Asche zum Färben, zur Seiffe, etc. gebrauchet. Sie ist was schlechter als die Potasche, als zu welcher besser Holz und mehrere Asche gehöret; Denn da zu einem Faß Blau-Asche 20 Tonnen gehören, so gehören zu einem Faß Potasche wohl mehr denn 60 Tonnen Asche: Doch ist sie besser als die Weyd-Asche, als welche ohne Lauge in den Ofen geworffen und gebrandt wird. Sonst ist sie sehr scharff, greifft die Zunge an, und hat viel Salz in sich. Sie muß allezeit im Trockenen gehalten werden; Denn wenn Feuchtigkeit dazu kommt, so wird sie wie Kalck, oder Meel, und muß wohl noch einmahl umgearbeitet werden. Die Arbeiter nehmen sich wohl in acht, dass sie keine Wurzeln von dem Bäumen, auch kein Eichen-Holz dazu anwenden, weil die Wurzeln von dem Bäumen viel Erde an sich haben, welche das ganze Werck verderbet, die Eichen-Bäume aber keine gute Asche von sich geben. Was das Gerüste betrifft, so gehören dazu 6 Tröge, zu jeder Werckstatt, die groß sind, auch noch 6 kleinere, zur Behaltniß der Laugen: Dazu 2 Kessel müssen eingemauret seyn. Die Unkosten sind nachfolgende: Der Schmelzer bekommet 1 fl. vor jede Tonne, dazu Essen und Trincken: Der Laugmacher zum wenigsten 2 fl. vor jede Tonne: Eine hölzerne Tonne kostet 1 fl. Ein Faß 2 fl. Fuhrlohn vor jede Tonne biß nach Königsberg 10 fl. Biß Elbing aber 15 fl. Eine Tonne, wenn sie dicht und gut gepacket ist, giebet 3 Schiff-Pfund.