Special-Bericht von dem Feldbau und heurigem Zuwachs bey Angerburg im Brandenburgischen Preussen.

 Anno 1717, Augustus

Da uns auch von einem gelehrten Freunde aus Angerburg in Borussia Brandenburgica, so wohl im Lands- und Feld-Baues-Beschaffenheit überhaupt, als auch insonderheit der heurige Zuwachs von dasigen Gegenden umständlich zugeschrieben worden, so vermeynen wir dem Leser keinen geringen Gefallen zu erzeigen, wenn diese ganze Relation, ihrer Singularium wegen, hierbey von Wort zu Wort inseriren, solche lautet also:  Generaliter ist zu observiren, dass aller Acker zur Sommer-Saat an unserm Orte gegen den Winter gestürzt wird: damit er durch Regen, Schnee und Frost nicht nur allein mürbe und geschlacht, die Gras- und Kraut- Wurzeln zur Fäulung gebracht, sondern auch von denen durch Schnee und Regen mit herfallenden salzigen und nitrosen Particulis fruchtbar gemacht werden möge.

 

a)      Von Korn-Früchten

Specialiter werden im Frühling

1)      Erbsen gesäet, auf alten Mist; denn wer auf frischen Mist säet, erndtet viel Stroh, gar kleine oder gar keine Schoten; und zwar im alten Licht. Solches muß auch geschehen, wenn die Ost- oder West-Winde wehen: Süd- und Süd- West befördert die Generation der Würme: Nord- Wind aber bringet gewiß so harte Hülfen, dass die Erbsen im Kochen nicht entzwey platzen. Der beste Acker dazu ist leimichter Acker: wer aber auf milden mit Sand vermischten Acker säen will, muß an unserm Orte erst im Majo säen. Sonst ist zu mercken, dass bey uns die Erbsen meistentheils erstlich gesäet, und nachgehends eingepflüget werden. Weil dieselben sonst wegen der bey uns lange anhaltenden sauren Nord-Winde, wenn sie oben liegen, und nicht tieff mit der Erde bedecket würden, im Käumen verderben. Heuer sind die Erbsen im ganzen Lande wohl gerathen, und tragen bey manchet m wohl das 10. bis 12te Korn über die Saat. Causa: weil wir einen warmen und mit Rgen abwechselnden Frühling gehabt, und dazu keine Mehltaue dieses Jahr gefallen.

2)      Sommer-Korn/ wird hier wenig gesäet, und zwar im sandichten Lande, im neuen Lichte, oder 2. biß 3. Tage vor dem Vollmond: wird fühzeitig mit dem Haber gesäet.. NB.Ist heuer schlecht gerathen; Ratio: weil es im Aufgehen keinen Regen so bald bekommen.

3)      Waitzen/ wird viel um Königsberg gesäet, wegen des leimichten und fetten Landes: Soll derselbe wohl gerathen; so wird er iederzeit, wenn Nord-Ost, oder West-Wind wehet, gesäet; Mittags-Wind aber wird höchstens vermieden, aus der Ursache, welche bey dem Roggen soll angeführet werden.
NB. Heuer ist er wohl gerathen, und giebt das 4te, 5te und 6te Korn: wird gesäet im abnehmenden Mond, vor der Roggen-Saat.
Nota: Wenn der Waitzenkeinen Brandt geben soll, so muß er Nachts über unbeegdet liegen bleiben, damit ihn der Thau befeuchte, und dadurch der Moder heaus extrahiret werde.

4)      Haber/ wird auf den schlechtesten Aeckerngesäet im alten Licht oder 2. oder 3. Tage vor dem vollen Mond. Der Nord-Wind wird dazu vor denbequemsten gehalten; muß in trocken Erdreich kommen, sonsten setzet er bey uns schwartze Körner und viel Lolium temulentum.
NB. Ist dieses Jahr wohl gerathen, und giebet das vierdte und fünfte Korn.

5)      Lein-Saamen/ wird bey uns um Johannis gesäet; wer ihn eher säet, der bekomme kurzen Fachs; das alte Licht wird darzu erwehlet: Am bestenpflegt der Lein-Saamen fortzukommen auf den Aeckern, auf welchen voriges Jahr Waitzen gewachsen, oder wenn man hochliegende Wiesen reiffen lässet.
NB. Ist heuer sehr schlecht gerathen; wiewohl wegen des warmen Augusti der Saamen gut reiff worden.

6)      Gerste/ wird, wen sie wol gerathen soll, von klugen Wirthen auf Medardi gesäet, wenn der Ost- oder West-Wind wehet, und zwar auf alten Mist im abnehmenden, auf frischen Mist aber im wachsenden Mond, Die klein körnichte wird vor die beste zur Saat gehalten. …