WALDHAUS "JÄGERHÖHE"
 
Der "Magnet" Angerburgs

Erinnerung an Angerburgs Gaststätten von Gerhard Freundt

Nach dem 1. Weltkrieg wurde auch in Angerburg manches anders. Die Menschen begannen, sich für die schöne Natur auch außerhalb der nächsten Umgebung ihres Städtchens zu interessieren.

Bürgermeister Laudon, aus Berlin nach Angerburg gekommen und von den landschaftlichen Reizen unseres Kreises beeindruckt, trug dieser Entwicklung Rechnung. Sollten aber Touristen die Schönheiten unserer Heimat bewundern und für sie begeistert die Reklametrommel rühren, sollten sie ein bißchen Leben und Geld in unsere Stadt bringen, dann mußte ihnen auch etwas geboten werden. So entstand durch seine Initiative am Rande des Schwenzaitsees und in unmittelbarer Nähe des vielbesuchten Heldenfriedhofs im Jägerwäldchen das Ausflugslokal "Jägerhöhe". Es wurde in seiner Art ein repräsentativer Bau, der selbst mit dem berühmten "Kurhaus Rudczanny" am Niedersee konkurrieren konnte. Die Bewirtschaftung überließ man zunächst Arno Neitzsch, dem Oberkellner des Schloßhotels.

Aber als Jägerhöhe erbaut worden war, kamen so rasch noch nicht die erhofften fremden Besucher ! Unsere Angerburger suchten zwar auch das neue Lokal auf, jedoch hauptsächlich nur am Sonntag zum Nachmittagskaffee; denn an Wochentagen mußte ja jeder seiner Arbeit nachgehen.

Arno Neitzsch gab sich alle Mühe, seinen Gästen das Beste zu bieten. Vom Kurhaus in Lötzen inspiriert, engagierte er sogar eine täglich konzertierende Musikkapelle, und sogar Kabarettisten sollten zur Unterhaltung der Gäste beitragen. Doch was nützte das alles: an Wochentagen spielten die Künstler vor leeren Tischen, und die Einnahmen am Sonntag reichten zur Deckung der allgemeinen Unkosten nicht aus. Herr Neitzsch gab die Bewirtschaftung des Lokals auf, und Herr Heinrich aus Tilsit wurde sein Nachfolger.

Heinrich hatte in Jägerhöhe mehr Glück; denn inzwischen hatte sich der gute Ruf dieses modernsten Ausflugslokals in ganz Ostpreußen verbreitet, wozu nicht zum wenigsten die deutschen und internationalen Eissegelmeisterschaften, die auf dem Schwenzaitsee vor Jägerhöhe ausgetragen wurden, beitrugen. Nun vermehrten sich ständig die Besucherzahlen, und bald florierte das Geschäft so gut, wie es sich zuvor unser Bürgermeister Laudon vorgestellt hatte.

Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg nach dem Jahre 1933 und nach der Erschließung Ostpreußens für Touristen aus dem deutschen Reichsgebiet wurde die Besucherzahl in Jägerhöhe so groß, daß die Räume nicht mehr alle Besucher, insbesondere während der Segel- und Eissegelregatten, fassen konnten. Die Gasträume wurden vergrößert, und außerdem ein Gästehaus erbaut. Nun war Angerburg mit Jägerhöhe in Ostpreußen zu einem Fremdenverkehrszentrum ersten Ranges geworden. Hiervon profitierte nicht nur Jägerhöhe, sondern sämtliche Gaststätten und verwandte Betriebe der Stadt zogen indirekt Nutzen.