RESTAURANT "MONITOR"
"Frisch, frei, fröhlich und fromm! "

Erinnerung an Angerburgs Gaststätten von Gerhard Freundt

An jener Stelle, an der Angerappbrücke, zwischen dem Schloß und der später angelegten Rehannstraße, stand in früheren Zeiten da "Polnische Tor". Hier wurden einst Zugänger zur Stadt kontrolliert, hier wurde das Marktgeld erhoben, wie auch am "Litauischen Tor" und am "Königsberger Tor".
Nach dem Abbruch
der Stadttore, deren Steine zum Bau von Wohnhäusern Verwendung fanden, wurde die "Zollstelle" am Polnischen Tor vorverlegt, dorthin, wo sich später das Geschäftshaus mit Gartenrestaurant des Kaufmanns Monitor befand. Hier an dieser vorverlegten "Zollstelle" stand auch ein Gasthaus, in dem sich die auf Abfertigung Wartenden die müßige Zeit verkürzten. Weil dieses Gasthaus zum Amte Angerburg gehörte, hieß es "Amtskrug", und "Amtskrug" wurde auch noch das Restaurant von Monitor von den älteren Angerburgern aus Gewohnheit genannt.

Alle, die auf der Ogonker (=Schwentener) Chaussee oder aus Richtung Strengeln, Kutten etc. , zur Stadt kamen und wieder nach Hause fuhren, nahmen hier ihren ersten und letzten Kornus "zur Brust": morgens, um sich für die beabsichtigten Geschäfte in der Stadt anzuheizen, abends, um sich erst einmal für die lange Heimfahrt vorsorglich zu erwärmen.

Bevor es in Angerburg Sportvereine gab (der erste wurde erst i. J. 1919 gegründet), suchte die Angerburger Jugend ihren Ausgleichssport im Turnverein. "Frisch, fromm, fröhlich, frei" hielten die Turner auf dem Turnhof des Seminars und in der Turnhalle ihre Übungsstunden ab. Dem Verlangen nach körperlicher Ertüchtigung kam der alte Monitor entgegen, indem er am Ende seines Gartens an der Angerapp eine Badeanstalt errichtete, wo die Turner sich auch im Schwimmen üben konnten.

Damals herrschten noch keine Rekordsucht und kein naturwidriges Training unter den Turnern. Gerade den Kinderschuhen entwachsen, sahen sie im Sport wirklich nur ein echtes Spiel, und sie wollten durch das Turnen nur die bei der einseitigen Berufsarbeit weniger betätigten Glieder ebenfalls gelenkig und kräftig erhalten. Hatten sie an den Turnabenden die selbstgesetzte Übungsnorm erfüllt, dann gingen sie zu dem alten Herrn Monitor, ihrem Freund und Gönner, wo sie in gemütlicher Turnerkameradschaft ihr wohlverdientes Bier tranken - und gelegentlich auch ins Singen kamen, was die Übungsstunden aber nur noch anziehender machte.