Ostau (Sapallen)


Ansichtskarte von Ostau (Sapallen) 1908

Aus der Geschichte des Ortes
von Georg Malz

Das Dorf Ostau liegt am Nordufer der Goldap, nicht weit entfernt von Sperling, und von Surminnen nur durch den Goldapfluß getrennt. Es hatte 1939 eine Fläche von 604,8 ha und zählte 229 Einwohner. Letzter Bürgermeister war der Landwirt Franz Jordan. Schönbund war 1939 ein Ortsteil von Ostau, das zu dem 1874 gebildeten Amtsbezirk Surminnen gehörte. Letzter Amtsvorsteher war der Landwirt Kurt Friedrich.

 1937 wurde in einem Flachmoor nahe dem Weg von Ostau nach Jahnen (Kr. Angerapp) während einer Gemeinschaftsarbeit von Landrat Clemens Rossbach (Angerburg, 1937-39)  zufällig ein Querbeil (Klingenhalter mit einer Eberzahnschneide) gefunden. Einige Archäologen betrachteten diesen Fund seinerzeit als sensationell und einzigartig für ganz Ostpreußen, weil er, wie Pollenanalysen der anhaftenden Erde ergaben, aus der Mittleren Steinzeit (10000-4000 v. Chr.) stammte. Derartige Relikte waren bis dahin östlich der Weichsellinie noch nicht gefunden worden und konnten als sehr weit zurückreichende Spuren menschlicher Besiedlung im östlichen Ostpreußen interpretiert werden.

Ob diese Datierung tatsächlich stichhaltig war, kann heute vermutlich nicht mehr überprüft werden, weil von den Beständen des Königsberger Prussia-Museums, dem man das rare Fundstück überlassen hatte, heute nur noch wenige Exponate vorhanden sind.

 Bis heute für uns zugängliche schriftliche Quellen belegen, dass die Siedlungsanfänge in Ostau bis 1576 zurückreichen. In diesem Jahr wurden hier 30 Hufen für die Besiedelung ausgewiesen, von denen der Ortsgründer (Lokator) Matzy Sapally aus Kleszowen (Kreis Angerapp) 3 Hufen erwarb. Ihm wurden 10 Freijahre eingeräumt, und die Ortsgründung erhielt seinen Namen: Matzapallen. (später Sapallen). Neben ihm wurden in Sapallen

2 litauische Hochzinser ansässig, die schon 1561 in Neugranden erwähnt worden waren.

 Als Hochzinser werden Bauern bezeichnet, die sich durch eine höhere Zinszahlung als die für Scharwerksbauern übliche von dem zu leistenden Ackerscharwerk auf dem nächstgelegenen Amtsvorwerk freigekauft hatten. Wenn es der Landesherrschaft gelegen kam, also eine ausreichende Zahl von bäuerlichen Arbeitskräften für den Domänenbetrieb vorhanden war, wurde die Ansetzung von Hochzinsern begünstigt, um die Bareinnahmen zu erhöhen.

Ganze Hochzinsdörfer gab es z.B. im Memeldelta. Im damaligen Hauptamt Angerburg traten Hochzinser nur vereinzelt auf und sassen verstreut zwischen anderen Domänenbauern. Bezüglich ihrer Besitzrechte unterschieden sich die Hochzinser nicht von den übrigen Scharwerksbauern. Auch die Hochzinsbauern hatten nur ein erbliches Nutzungsrecht an ihrem Hof und konnten diesen ohne Zustimmung der Kammer nicht verkaufen oder Schulden darauf eintragen lassen. In der Regel hatten sie, anders als die Scharwerksbauern, auch keinen herrschaftlichen Besatz erhalten, z.B. die kostenlose Überlassung von Hofgebäuden, Vieh, Saatgetreide und Ackerwerkzeuge.

Die Sapaller Scharwerksbauern waren zu landwirtschaftlichen Arbeiten der nahe gelegenen Domäne Sperling zugewiesen. Ihr Kirchspielort war Benkheim.

 !847 lebten im Dorf Sapallen 210 Menschen in 21 Häusern, auf einem kleinen Gut 4 Menschen; in Schönbund 60 Menschen in 5 Häusern. Bis 1860 hatte sich die Einwohnerzahl des Dorfes auf 271 erhöht, die von Schönbund auf 39 Einwohner verringert. Die Grösse der Dorfmark hatte sich gegenüber dem Gründungsjahr nur geringfügig verändert (jetzt 28 Hufen). Sapallen gehörte zu diesem Zeitpunkt zum Polizeiverband Ziemianen.

1897 lebten im Dorf und auf dem Gut Sapallen insg. 375 Menschen. (Schönbund: 34).

Die Betriebsflächen der landwirtschaftlichen Anwesen bewegten sich zwischen 2 und 140 ha.

 Im Kreis Angerburg gab es schon vor 1914 eine gut entwickelte Zucht ostpreußischer Halbblutpferde Trakehner Abstammung. Die Zucht wurde vor allem auf den grösseren Gütern, aber auch von bäuerlichen Besitzern vorangebracht. In Sapallen/Ostau zählte Heinrich Rosigkeit (Hofgrösse: 40 ha) mit 6 Warmblutstuten zu den erfolgreichsten bäuerlichen Züchtern, ebenso Franz Jordan (Hofgrösse: 58 ha). Beide Landwirte betrieben auch eine besonders erfolgreiche Rinderzucht (Herdbuchvieh) und engagierten sich beim landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen. Emil Runge unterhielt in Sapallen einen Mühlenbetrieb, der schon frühzeitig elektrische Energie einsetzte, für deren Erzeugung das Wasser der Goldap genutzt wurde.

 Eine eigene Schule wurde in Sapallen erst nach 1860 eingerichtet Die Schule lag gegenüber der Wassermühle an der Goldap. 1929 gehörten zum Schulland 26 Morgen.

Die Schülerzahl lag bei 37 (1928). Das 1914 zerstörte Schulgebäude wurde 1922 durch einen Neubau ersetzt. Lehrer Bleise hat in Sapallen von 1869 bis 1910 unterrichtet.( Eine Pensionsgrenze war damals in Preußen noch nicht eingeführt). Viele Jahre hindurch , von 1921-34, war auch Otto Ruddat in Sapallen als Lehrer tätig. Letzter Stelleninhaber war Paul Häusler, der eine enge Zusammenarbeit mit der Schule in Surminnen pflegte.

 1938 wurde die Gemeinde Sapallen in Ostau umbenannt. Der Fluchtbefehl erging am 23.10.1944, als um die kaum 20 km entfernte Stadt Goldap schon heftige Kämpfe tobten.

 
Schule aus einer Ansichtskarte von 1905