Paßdorf und Staken


Bild aus "Heimat am Mauersee" S.201

Aus der Geschichte des Ortes Passdorf (Pristanien)
und Staken (Stawken)

Gegründet 1558 als „Paß“ (Pristanien und Stawken), 1938 bis 1945 genannt Passdorf (mit dem Ortsteil Staken). So bezeichnet nach der Lage am „Engelsteiner Passe“. Durch Erbverschreibung vom 27. Mai 1558 erhielt hier Georg von Hohendorff ein Stück Waldes von 64 Hufen zu Lehnsrechten. Ihm wurden sechs Freijahre eingeräumt, um die hier vorhandene Wildnis urbar zu machen. Dieses Privilegium wurde von Markgraf Albrecht dem Älteren selber ausgefertigt.

Georg von Hohendorff hat wohl persönlich nie in Pass gelebt und hier lediglich ein landwirtschaftliches Gut eingerichtet, dessen Verwalter entsprechende Abgaben zu leisten hatten. Er war in den Jahren 1559 bis 1575 in Johannisburg  und gleichzeitig 1561 bis 1562 in Rastenburg und bis 1563 in Sehesten Amtshauptmann. In diesen Ämtern hatte er selber im Auftrag der Preußischen Regierung zahlreiche Grundstücke an Siedler zu verschreiben. Im Kreis Angerburg besaß die Familie von Hohendorff um 1550 bereits ein Gut in Guja, zu dem Fabian von Hohendorff  1590 weitere 6 Hufen hinzukaufte. Als Erbengemeinschaft über 7 Hufen besaß die Familie weiterhin das Gut Numeiten bei Haarschen, wo 1678 ein Kaspar von Hohendorff genannt wird und das nach der Pestzeit um 1714 völlig wüst lag. Im Jahre 1604 wurde Fabian von Hohendorff noch das Gut Rosengarten mit 4 Hufen verschrieben.

Nach dem Tode des Gründers wurde das Gut Pass unter den beiden Söhnen geteilt, von denen der eine Pristanien (vom Prussischen Personennamen Prystan) und der andere Stawken (vom Prussischen Namen Stavwe) erhielt. Warum hier diese Prussischen Namen gewählt wurden ist nicht ganz eindeutig. Möglich ist, dass hier am Mauersee bereits zuvor eine Prussische Ansiedlung vorhanden war. Da ein Prussischer Vorfahre der Familie namens Nammir von Hohendorff vor 1409 als Rat und Ritter im Deutschen Orden erschien, besteht auch aus der Familiengeschichte der von Hohendorffs heraus ein mögliches Motiv für die Prussische Namensgebung der beiden Orte. Der Stammsitz der Familie von Hohendorff befand sich im gleichnamigen Ort im Kreis Pr. Holland.

Um 1650 sind die Güter Stawken und Pristanien an die Familie von Packmohr übergegangen. Ernst Ahasverus Graf Lehndorff, als letzter Sohn des Oberburggrafen Ahasverus wenige Wochen vor dessen Tode geboren, war es, der Stawken und Pristanien von den Packmohrs durch Kaufkontrakt vom 16. April 1703 erwarb. Obwohl er minderjährig war, verlieh ihm König Friedrich I. durch Lehns-Verschreibung vom 25. Oktober 1703 die beiden Güter. Das Gut Rosengarten, angrenzend an den Steinorter Mauerwald, wurde um 1877 von dem Major und Legationsrat Karl Graf Lehndorff aus den ehemaligen Hohendorffschen Begüterungen angekauft. Die beiden Güter Pristanien und Stawken sind später zur freiwilligen Siedlung an den Landlieferungsverband abgegeben worden  Somit wurden in jüngerer Zeit aus den beiden Gütern bäuerliche Siedlungen.

 

Urkundlich erwähnte Namen aus Pristanien und Stawken:

1685 Anna, Tochter des verst. Matthes Köhtliz, Hoffmann in Stawken  

1687 Hans, Sohn des Martin Mozarz, Einwohner zu Stawken

 

Die Lehndorffschen Güter sind von der in den Jahren 1709 bis 1711 grassierenden Pest verschont geblieben.

Vor 1719 werden Pristanien mit etwa 17 und Stawken mit etwa 19 Hufen als adlige Vorwerke, gehörig dem Gerhard Ernst Graf von Lehndorff genannt. Zum Dorf Pristanien zählten zu dieser Zeit 13 und zum Dorf Stawken 7 Bauern, die je 1 ½ Hufen und somit etwa 31 Hufen bewirtschafteten.

Im Jahre 1744 werden als Untertanen der Lehndorffschen Güter in Pristanien der Schultz Scheimann, Martin Gellisch, Michael Gellisch sen., Andreas Scheinann, Michael Scheimann, Friedrich Gellisch, Christian Scheimann, Michael Gellisch jun., Albrecht Uwiss, Kuckel, Michael Gellisch, Christof Gellisch und Gottlieb Waschke aufgeführt.

In Stawken finden sich die Namen Schuja der Schultz, B. Witke, Michael Schuja, Gwiasda, Scheimann sen., Scheimann jun., und Berger.

Einige dieser Namen erscheinen zu dieser Zeit auch in anderen Lehndorffschen Gütern, so in Labap (Uwiss), Taberlack (Waschke, Scheimann, Uwiss), Serwillen (Kuckel) und Stobben (Gellisch, Scheimann). Man kann daraus schließen, dass die Bewirtschaftung der Güter über mehrere Generationen hinweg der engeren Verwandtschaft dieser Familien übertragen worden ist.

Im Handbuch des Grundbesitzes von 1903 und in Niekammers Güteradressbuch von 1920 wird August Schumann als Pächter des Gutes Pristanien und Ernst Höwig des Gutes Stawken genannt. Schumann war bereits seit 1880 Pächter des Lehndorff’schen Gutsbesitzes. 1932 ist Georg Rogall Pächter des Gutes Pristanien.

1939 hatte Passdorf 377 Einwohner, Kirchspiel Engelstein, ursprüngliche Bezeichnung Paß, bis 16.7.1938 Pristanien (poln. Przystan), Messtischblatt 1795, Ortsteile: Staken (bis 16.7.1938 Stawken) und Försterei Stein.

Zusammengestellt von N. Skowron

 
Karte aus AHB 125 S.85

Einwohner 1945 

aus AHB 125 S. 86, aufgestellt von Fritz Feskorn, Lehrer an der Passdorfer Volksschule, ergänzt von Günter Schoen.

 Passdorf

Namen  Plan Nr.
Legies / Obermüller 1
Henschel 2
Teschke 3
Wenk 4
Fröhlich 5
Mulks 6
Esch (Bahnhof) 7
Czerwonatis 8
Neumann 9
Braun 10
Charborski 11
Gemeindehaus: Ogurreck, Schimanowski, Botzki, Frenzel 12
Matz 13
Fenske 14
Meerkötter 15
Baumeister 16
Kumetz 17
Schoen 18
Krebs 19
Holweg 20
Schweting 21
Schipper 22
Kreutz (Försterei Mauerwald) 23
Kannapin 24

Ortsteil Staken

Namen  Plan Nr.
E. Lemke 25
RAD-Lager 26
Scheumann 27
Gemeindehaus: Brosowski, Wohlgemuth, Glasowski, Augustin 28
Reck, Borowski 29
Strank 30
Winkel 31
Bartsch 32
Schmilewski 33
Platzeck 34
Uden 35
Serowy, Teichert 36
Dreger 37
Ramsauer 38
Rumi 39
Feskorn (Schule) 40
Woschei, Schwarz 41
Johann Ritthaler 42
Fritzenwanker 43
Kammerau 44
Müller 45
Tjarks 46
Slawski 47
Gerdis 48
Spettel 49
Knodel 50
Gottschalk 51
Lühmann 52
K. Lemke 53
Kunkel 54
Bollwahn 55
Peter Ritthaler 56
Waldhaus: Struwe, Schön, Gräwert, Czipolowski 57


Aus "Angerburger Landschulen" S.248