Paulswalde


Ansichtskarte von Paulswalde 1921

Aus der Geschichte des Ortes Paulswalde

Laut Verschreibung vom 5. Januar 1563 erhielt der Kaufschulze Paul Lissen von dem damaligen Amtshauptmann zu Angerburg, Elias von Kanitz (1562 bis 1563), 40 Huben Wildnis zur Gründung eines Dorfes zugewiesen. Paul Lissen, der aus dem Orte Lissen im Johannisburgischen zugewandert war, erwarb durch Kauf vier Huben Schulzenland zu kölmischen Rechten. Nach diesem Recht war der Schulze unumstrittener Besitzer seines Gutes; er konnte es verkaufen oder auf Söhne und Töchter, Brüder und Schwestern vererben. Der Kaufpreis betrug bis 1563 30 Mark je Hufe und stieg später auf 60 Mark.

Der Schulze übernahm die Verpflichtung, Siedler zu werben und das Land an sie zu verteilen. Es dauerte eine geraume Zeit, bis die Bauern sich in der Wildnis eingerichtet und die zur Eröffnung einer Wirtschaft notwendige Fläche gerodet hatten. Zu diesem Zwecke wurden ihnen 10 Freijahre gewährt; in dieser Zeit waren sie von allen Abgaben und Leistungen frei. Das Schulzenland war für immer zins- und scharwerks­frei, es unterlag nur der Ablieferung von Pfluggetreide. Dem Schulzen wurden außer dem kölmischen Recht noch andere Rechte eingeräumt, so die Kruggerechtigkeit und die Fischereigerechtigkeit in der Angerapp und Goldap. Da das kölmische Recht nicht an der Person, sondern am Grund und Boden haftete, so hat mancher Kölmer Teile seines Gutes zu denselben kölmischen Rechten weiterverkauft. Solches ist auch in Paulswalde geschehen. 1628 kaufte der Bauer Jan Koperps zwei Huben Schulzenland nebst den dazugehörigen Gebäuden von Jan Schwinkos, Schulz zu „Paulswohl". So erhielt das Schulzengut zwei Besitzer und das Dorf zwei Schulzen, die das Schulzenamt abwechselnd führten. Dieser Zustand läßt sich durch die ganze Ortsgeschichte bis zur Separation verfolgen. In einem Protokoll vom 21. Juni 1634 schärft der damalige Amtshauptmann Bernhardt v. Königseck den beiden Schulzen ein, was sie an Pfluggetreide abzuliefern haben. Dort heißt es: „Paulswohl hat 40 Huben, zum Schultzen Ambt aber hat der Schultz 4 Huben. Es muß derselbige Ihrer Kurfl. Durchl. geben und entrichten 3'/2 Scheffel Weitzen und 1'/2 Scheffel Korn Pfluggetreide. Als habe ich solches in Betrachtung, daß die Schultzen solche 4 Huben bis dato geruhiglich genossen und besessen, die Pflicht auch gleich an der Schultzen geleistet und Pfluggetreide abgegeben, dieselben ferner als zu genießen und zu gebrauchen..."

 

Der erste Schulze, Paul Lissen, ein Masure, gab dem Dorfe den masu­rischen Namen „Paulswolle". „wolle" ist ein altmasurisches Wort und bedeutet „Siedlergrund". Paulswolle = Siedlung des Paul. Später tritt der Name Paulswohl auf, der auf deutschsprachigen Einfluß hinweist. Urkunden aus dem Ende des 17. Jahrhunderts weisen dann den Namen Paulswalde auf. Durch deutschsprachigen Einfluß ist aus „wolle" erst „wohl" und dann „walde" geworden. In den Prästationstabellen führt der Ort auch die Namen Pawlowen oder Pawilowken neben dem Namen Paulswalde. Diese Bezeichnungen sind Polonisierungen des Namens Paulswalde.

Wie erklärt es sich nun, daß unser Dorf hinter- und nebeneinander deutsche und masurische Namen geführt hat?

Nach dem Zweiten Thorner Frieden (19. Oktober 1466) versiegte der Strom der Siedler aus dem Reich. Statt dessen kamen aus Nord- und Südosten Litauer und Masuren, letztere aus dem polnischen Herzogtum Masowien, ins Land. Insbesondere nach dem Vertrag zu Krakau (8. April 1525) wurde der Zustrom von jenseits der Grenze recht stark. Es darf uns nun nicht wundern, daß die zugewanderten Masovier unsere Ortsnamen einfach in ihre Sprache übersetzten, daß also aus Paulswalde Pawlowen wurde. In den Listen aus jener Zeit finden sich deutsche neben polnischen Personennamen. Denn wie der Ortsname, so wurden auch die Personennamen polonisiert. So entstand nachgewiesenermaßen aus dem deutschen Namen Sperling der polnische Name Wrobel, aus Schwarz Schwartinski (vgl. hierzu die Litauisierung von Schneider zu Schneidereit). Jedenfalls ist, wie schon eingangs erwähnt, das deutsche Vorbild bei der Dorfgründung bestimmend gewesen. War es der Wille des Amtshauptmanns Elias von Kanitz oder das durch den Ortsgründer Paul Lissen als mustergültig anerkannte Vorbild des deutschen Angerdorfes, das hier entscheidend wirkte? Das erste könnte man annehmen aus der Erwägung heraus, daß zwei weitere durch Elias von Kanitz getätigte Ortsgründungen, nämlich Olschöwen (Kanitz) und Sobiechen (Salpen), auch den Typus des Angerdorfes tragen. Der Anger reichte vom Hof des Franz Hahn bis zum Friedhof einschließlich. Auf ihm waren untergebracht: der Dorfteich, die Schmiede, das Armenhaus, die Schule, der Friedhof. An der Westseite des Angers lief die Straße entlang, an der die Höfe lagen. Die Gartenstücke waren nach Teufert und Farrensteiner zu geradlinig abgegrenzt.

Paulswalde war also ein einzeiliges Angerdorf. Die Mietshäuser von Auschkorath und Albath waren die Reste ihrer alten Höfe. Die Höfe des Walter Tunnat, des Meinhard Tabbert und des Franz Hahn haben anscheinend die Separation auf ihren ursprünglichen Plätzen überdauert. Alle anderen waren auf den Abbau verlegt worden. Der Hof von Erich Tunnat muß auch als nach der Separation entstandener Abbau angesehen werden. Nach Aussage des Bauern Robert Stadthaus hat der Krug im vorigen Jahrhundert zu seinem Hof gehört. Es ist also mit Bestimmtheit anzunehmen, daß der Stadthaussche Hof ursprünglich der Schulzenhof gewesen ist. (Dr. Walter Schibilla bezeichnet in seiner Arbeit „Siedlungsgeographie des Mauerseegebiets" [1933] Paulswalde als Straßendorf. Dagegen sprechen die oben aufgeführten Tatsachen.)

Paulswalde war ursprünglich Eigentum des Landesherrn, die Bauern waren Zinsbauern. Unser Dorf „zinsete jährlich zweyhundert Reichstaler vierzigk Groschen an Geld, dazu fünfhalb Scheffel Weitzen undt vier Scheffel Roggen Ambtmaß und von jeglicher Hub zwey pol. Groschen Büttelgeldt". (Vom Büttelgeld wurde der Scharfrichter besoldet.) Diese Abgaben mußte der Schulze einziehen und zu Martini an das Amt Angerburg abführen. Scharwerksdienste wurden nicht geleistet.

Von einschneidender Bedeutung für die Geschichte unseres Dorfes war das Jahr 1642. Der Große Kurfürst, Landesherr von Preußen, brauchte Geld (Dreißigjähriger Krieg) und borgte von Dietrich von Schlieben auf Druntlacken (Kreis Darkehmen) 3333 Reichstaler gegen landesübliche Zinsen. Zur Ableistung dieser Zinsen verpfändete der Kurfürst v. Schlieben das Dorf „Paulswohl". Auch die niedere Gerichtsbarkeit wurde v. Sehlieben übertragen. Für 3333 Taler erhielt v. Sehlieben 200 Taler Zinsen, was einem Zinssatz von 61/4 v. H. entsprechen würde. In einer im Jahre 1643 aufgestellten Nachweisung ist der Schuldbetrag mit 5000 Talern angegeben. Der Grund der Erhöhung ist nicht ersichtlich. Aufgrund dieser Nachweisung hat Paulswalde bis 1669 jährlich 250 bis 300 Taler Zinsen gezahlt - jedes Jahr verschieden. Mit der Schuld haben sich also auch die Zinsen von 200 auf 300 Taler erhöht. Die Zinseintragung muß mit Härten und Unzuträglichkeiten verbunden gewesen sein; denn im Jahre 1669 beschwerten sich die Bauern über v. Sehlieben, weil er ihnen Vieh und Getreide fortgenommen hatte.

Im Jahre 1766 finden wir die v. Sehlieben als Gutsherren auf Jakunowen (Angertal), nun waren sie also in der Nähe ihrer Zinsbauern, und nun war bestimmt ein Teil der Bauern zu Scharwerksbauern herabgesunken; denn die Leistungen an Geld und Naturalien ließen sich ja leicht in Hand- und Spanndienste umwandeln. Dieser Zustand wurde noch begünstigt, als König Friedrich der Große in einer Verschreibung vom 30. Juli 1777 dem Major Gottl. v. Sehlieben das Dorf Paulswalde, „da es dem königl. Interesse nicht vorteilhaft gefunden, fortmehro zu adlig-kölmischen Rechten erb- und eigentümlich" überließ gegen einen jährlichen Zins von 188 Reichstalern und 44 Groschen. So war also aus dem ursprünglich staatlichen Zinsdorf ein adliges Scharwerksdorf geworden. Erst aufgrund eines Gesetzes vom 2. März 1850 wurden die Paulswalder Bauern freie Eigentümer ihrer Grundstücke. Der letzte Obereigentümer war ein v. Gotzkow aus Jakunowen, sicher ein v. Schliebenscher Erbe.

Wie sah es wohl zur Zeit jener Erbzinsbauern in der Feldmark aus? Wie war die Wirtschaftsweise? Wie hoch stellten sich die Erträge? Hier über gibt uns ein Bericht aus dem Jahre 1719 Aufschluß. Im Juli dieses Jahres wurde das Dorf von einer Kommission beritten, d. h. es wurden die Grenzen kontrolliert, etwaige Streitigkeiten entschieden, die Zahl der Bauern festgestellt, überhaupt Erhebungen für ein „neues Catastrum" gemacht. In der aus drei Mitgliedern bestehenden Kommission führte ein v. Schlubhutt den Vorsitz. Nach jenen Erhebungen bestand die Paulswalder Feldmark aus 16 wüsten, 16 bebauten und vier Schulzenhuben. Nahezu die Hälfte der Feldmark war also wüste, wozu auch der Wald gerechnet wurde: „Gegen Jakunowen, Wensöffken und Sobiechen hat dieses Dorf einen ziemlichen Strich Waldes, so aus schlechten Dannen und Gesträuch bestehet. Die Bauern sind nicht berechtigt, in Königl. Wildniß zu holtzen und müssen die Notdurft erkaufen." Das Dorf war besetzt mit zwei Schulzen, 13 Zinsbauern und einem Instmann. Nach Fr. Grigat „Besiedlung des Mauerseegebiets" saßen in Paulswalde um 1600 ein Schulze, 21 Bauern und sieben Gärtner. Den Rückgang der Bevölkerung müssen wohl die Kriege und vor allem die Pest verursacht haben. An der Pest (1709 bis 1710) starben in Paulswalde 123 Personen. Laut einer „Konsignation derer zur Angerburgschen Mühle gehörigen und würklich befundenen Personen" hatte „Paulswalde alias Pawlowen" im Jahre 1769 142 Einwohner.

Nach dem oben angeführten Bericht war das Bauernland entsprechend der Dreifelderwirtschaft in ein Sommer-, Winter- und Brachfeld eingeteilt und lag im „Gemenge". Diese Gemengelage behinderte den einzelnen in seiner freien wirtschaftlichen Entfaltung; jeder mußte sich dem Flurzwange fügen. Das damals bestehende Bodenrecht war das Gesetz einer fest gefügten Markgenossenschaft, war der Ausdruck hilfsbereiten und opferwilligen Gemeinschaftsgeistes. Übertritts- und Überfahrtsrecht zu den abgelegenen Parzellen, gemeinsame Bestellungs- und Erntearbeiten ließen keinen häßlichen Eigennutz aufkommen. So wie die Bauern im Frühjahr, Sommer und Herbst mit ihrem Pfluge, ihren Sensen und Erntewagen von Parzelle zu Parzelle schritten, so wanderten sie im Winter mit ihren Dreschflegeln von einer Scheunentenne zur anderen. Die damit verbundenen Festlichkeiten gewährten sie sich als Belohnung für die gemeinsam geleistete Arbeit. Sie waren der natürliche Ausdruck bäuerlichen Gemeinschaftsgeistes und bäuerlichen Frohsinns.

Wahrlich, die Ernteerträge jener Zeit waren mehr als dürftig. Nach dem angeführten Bericht wurden auf zwei Hufen gehalten vier Pferde, vier Ochsen, zwei Kühe, zwei Schweine, vier Schafe. Die Aussaat für zwei Hufen betrug: 12 Scheffel Roggen, drei Scheffel Gerste, sechs Scheffel Hafer, einen Scheffel Erbsen, '/,2 Scheffel Bohnen, '/2 Scheffel Leinsaat. Auf einer Hufe konnten „bis 2 zweyspännige Fuder Heu gemacht werden".

„Von 10 Huben ist vorhin ein Wybranz gehalten worden", so heißt es in dem Bericht. Paulswalde hat also früher (im 17. Jahrhundert) drei bis vier Wybranzen halten müssen. Die Wybranzen waren Angehörige einer Landwehr, also Soldaten. Im Frieden gingen sie in ihrem Standort irgendeiner Beschäftigung nach, im Kriegsfalle wurden sie mobilisiert.

Die Streu- und Gemengelage wurde durch die Separation (Gesetz vom 7. Juli 1821), die in Paulswalde im Jahre 1840 vorgenommen wurde, beseitigt. Die Hufengröße schwankte je nach der Güte des Bodens und nach der Entfernung von der Hauptstraße zwischen 50 und 90 Morgen. Die Bauernhöfe umfaßten 30 bis 400 Morgen. Paulswalde ist ein reines Bauerndorf mit 41 landwirtschaftlichen Betrieben. Zur Gemeinde Paulswalde gehörte das Gut Paulshof. Es war 400 Morgen groß, letzter Eigentümer war Paul Farrensteiner. Das Unland, das 1719 noch mit 16 Hufen angegeben wird, war im Laufe der Jahrhunderte weitaus kultiviert. Durch ein System von Entwässerungsgräben waren ertragreiche Wiesen und Weiden gewonnen worden. An gewerblichen Betrieben waren vorhanden: eine Schmiede, eine Tischlerei, eine Mühle nebst Getreidegeschäft und eine Gastwirtschaft mit Gemischtwarenverkauf. 1931 erhielt das Dorf elektrischen Strom. In demselben Jahr war die einklassige Schule nach modernen Gesichtspunkten umgebaut worden. Das Dorf hatte 1939 430 Einwohner.

Paulswalde liegt an der Chaussee Angerburg-Insterburg, die befestigten Abzweigungen nach Kanitz und Stullichen sind jüngeren Datums. Die nächste Bahnstation ist Kanitz, von wo aus man den Anschluß nach Königsberg und Insterburg erreichen konnte. - Paulswalde gehörte zum Kirchspiel Angerburg. - Ortsbauernführer war Max Dombrowski. Der Schmied Paul Machmüller löste 1933 den langjährigen verdienten Bürgermeister Otto Bieber in diesem Amt ab. Letzter Lehrer war seit 1925 der Verfasser. Er war der Nachfolger von Paul Tunnat, der seit 1889 die Schulstelle verwaltet hatte.

Bericht von Gustav Baranowski, abgedruckt in E. Pfeiffer "Der Kreis Angerburg"


Dorfskizze von Pauswalde von Egon Sperling gez. nach seinen Erinnerungen 1980

 

 Familienliste von Paulswalde (vor 1945

Ergänzungen und Richtigstellungen von Namen, Berufsbezeichnungen und Gebäudezuordnungen
bitte an webmaster@angerburg.de schreiben. Ihre Angaben werden kurzfristig in die Liste übertragen.

Namen  Plan Nr.
Albath 1
Albath - Insthaus. Sagert / Mattutat 2
Hahn, Karl (Käthe / Grete) 3
Fleischer 4
Heinrich 5
Quell 6
Weißberg, Hermann / Lenzler 7
Podehl 8
Herrendorf / Braunschweig 9
Bieber, Franz (Polizei) 10
Schmiede 11
Sawatzki (Sattler) 12
Hahn, Franz 13
Hahn, Franz - Skwara 13 a
Tabbert 14
Tischlerei 15
Fabritz 16
Weißberg, Otto 17
Goerke, Franz (Gertrud, Edith, Lisbeth, Bernhard, Georg) 18
Stadthaus - Insthaus, Tolksdorf / Degwitz / Przyborowski 19
Stadthaus 20
Farrensteiner - Insthaus, Käfer / Kulinski 21
Farrensteiner - Gut Paulshof 22
Auschkorat 23
Wilhelmi - Scheune 24
Dombrowski - Gasthaus 25
Leginski - Chausseeaufseher 26
Auschkorat - Insthaus, Glanert / Kossack 27
Albath - Insthaus, Mollenhauer / Migge 28
Tunnat - Insthaus, Koß / Gobba 29
Teufert - Groß 30
Tunnat, Walter / der frühere Lehrer Paul Tunnat 31
Ewert - Insthaus, Gudde / Ladhoff 32
Koehn - Insthaus, Skambraks / Lakaschus, Ernst 33
Koehn, Ernst 34
Motormühle 35
Ewert - Insthaus, Kerwin / Bogorell 36
Ewert 37
Sperling, Otto 38
Polixa (Kolke) 39
Ammon 40
Dombrowski, Max (Ingrid, Helmut, Brigitte) 41
Steinau 42
Steinau - Insthaus 43
Dombrowski, Franz 44
Schwartinski, Karl 45
Ickert 46
Zürcher 47
Ittermann 48
Bieber, Otto 49
Schule / Baranowski 50
Blei 51
Ewert - Insthaus, Koß / Wind / Rohrmoser 52
Bieber - Insthaus, Schmerglatt / Rohrmoser 53
Wilhelmi - Post 54
Tunnat, Erich 55
Goerke, Otto - Lenz 56
Ewald 57
Machmüller, Paul 58
Joneleit 59
Frey 60
Koszionowski 61
Riech 62
Kiszio 63
Klein 64
Miram 65