Soldahnen


Schule in Soldahnen. Rechts das 1900 erbaute Schulhaus mit einer Klasse und der Lehrerwohnung,
links der Neubau von 1934 für die zweite Klasse

Aus der Geschichte des Ortes Soldahnen

In einer nicht beantworteten Eingabe des Laurencius Szoldan de Sczoldany von 1541, der dem Ort den Namen gegeben hat, wird ausgeführt, er habe die Besetzung von 40 Waldhufen übernommen und durchgeführt; jetzt verlange der Amtshauptmann, dass er seine vier Schulzenhufen verkaufen solle; wenn er selbst zum Schulzamt schon zu alt sei, könnte einer seiner Söhne das Amt übernehmen. 1541 also war S. voll besetzt, und der Schulz mag aus Soldahnen im heutigen Kreis Johannisburg gekommen sein. Zum ersten Male erwähnt wird S. 1538 mit dem Bemerken, das Dorf hätte keine Handfeste. 1539 wurden zur Kirchensteuer 37 Hufen veranschlagt, und 1557 wurde der Umfang des Gebiets mit 45 Hufen angegeben. Außer dem Schulzen saßen nach dem Steuerregister von 1540 in S. 19 Bauern. Dem Namen nach waren die Bauern fast ausschließlich Masuren. Ihr Viehbestand betrug 12 Pferde, 89 Rinder, 24 Schafe, 23 Schweine und 14 Ziegen. Gärtner und Instleute fehlten. Ein Krug bestand 1604, auch 1621 gab es nur einen Krug.

Im Poleneinfall von 1657 wurde S. abgebrannt; mehr als diese kurze Notiz ist darüber nicht bekannt. Aber wie schwer das Dorf gelitten haben muß, ergibt sich daraus, daß 1661 nur drei Bauern dort waren; außerdem wohl der Schulz und der Krüger. Die drei Bauern hatten drei Hufen und einen Viehstand von vier Pferden, fünf Rindern, drei Schweinen und zwei Ziegen; auf dem Boden lagen 2 1/2 Scheffel und in der Scheune 4 1/2 Scheffel Getreide; die Winteraussaat betrug 101/2 Scheffel. 1694 waren neun Bauern angesetzt und 1706 elf, die aber nur sieben Hufen hatten, während 281/2 Hufen auf weiten Zins verpachtet waren und 1 1/2 Hufen wüst lagen; zum Schulzenamt gehörten damals fünf Hufen und zum Krug zwei; acht Hufen zwei Morgen waren Wald. Im ganzen gehörten Soldahnen also 52 Hufen zwei Morgen (= etwa 858 ha). Die Pest von 1710 überlebten drei Bauern von 12. Rechnet man, daß damals 15 Familien Soldahnen bewohnten, so ergibt das höchstens 100 Einwohner, und die Pest forderte 86 Todesopfer, also den größten Teil der Bevölkerung. 1712 waren im ganzen sieben Bauern auf sechs Hufen angesetzt. 1715 waren auch die beiden Krughufen wüst, doch wohl infolge der Pest, während die fünf Schulzenhufen besetzt waren. 1608, so wird 1715 angegeben, leistete jede Bauernhufe eine Mark, einen Scheffel Hafer, ein Huhn und einen Kapaun und von zwei Hufen waren ein Achtel Holz zu setzen und anzufahren, ein Morgen Gras zu mähen und beim Vorwerk Angerburg zu scharwerken gewesen. Außer dem Scharwerk wurden 1715 von der Hufe verlangt: 14 Mark 18 Schilling, ¼ Korn, ein Scheffel Hafer und zwei Viertel Brennholz.

Es hing wohl mit diesen hohen Lasten und mit der Minderwertigkeit des Bodens, den das Generalhubenschoßprotokoll von 1719 als sandig, schluffig und steinig bezeichnet, zusammen, daß damals nur vier Bauern in Soldahnen wohnten, auch von den fünf Schulzenhufen lagen 11/2 wüst. Mit der Besetzung der wüsten Hufen wurde wie gewöhnlich 1725 begonnen. Die vier Bauern, die je eine Hufe hatten, erhielten damals noch je eine wüste Hufe zur Bewirtschaftung. Diese vier Bauern hatten 1733 sechs Söhne und sieben Töchter und einen Viehstand von 15 Pferden, 23 Rindern, 17 Schafen, acht Schweinen und zwei Ziegen. Erst 1752 kam die Inkulturnahme wieder in Gang. Damals erhielt der Schulze eine wüste Hufe lastenfrei als Dienstland und zwei wüste Hufen bei sechs Freijahren und Scharwerksfreiheit gegen einen Zins von nur je zwei Talern, da die Bonität schlecht war. 1754 übernahm die Witwe dieses Schulzen noch zwei wüste Hufen unter ähnlichen Bedingungen, doch betrug der Zins nur 12/3 Taler pro Hufe. Im selben Jahr bewirtschafteten neun Bauern zusammen 25 Hufen.

Die Prästationstabelle von 1763 bringt folgende Zusammenfassung des Siedlungsergebnisses: zwei Kölm. Schulzen haben fünf Hufen von sechs Taler fünf Pfennig, außerdem hat der Schulze eine Hufe Dienstland. Vier Scharwerksbauern haben 12 Hufen, und zwar acht zu je vier Talern und vier zu je 1 2/3 Talern Zins. 10 Freibauern haben 25 Hufen zu je 12/3 Talern. Das Übermaß von acht Hufen zwei Morgen zinste von der Hufe 20 Groschen. Von diesem Übermaß gab übrigens das Generalhubenschoßprotokoll von 1719 an, es ginge bis zum Kruglinner See und wäre sandig und bruchig. 1770 hatte Soldahnen 103 Einwohner. 1763 und auch späterhin hatte Soldahnen nur 51 Hufen zwei Morgen, was dem heutigen Umfang von 833 ha einigermaßen entspricht.

Das Scharwerk hatten die Bauern 1779 in Przytullen zu leisten, und zwar zusammen 5 1/2 Spann- und 18 Handtage. Die inzwischen freigewordenen vier Bauern hatten 1816 nur acht Hufen, 14 Freie hatten 30 und zwei Kölmer fünf Hufen; außer diesen Grundbesitzern werden der Lehrer, der Schmied und zwei Eigenkätner genannt. 1830 waren in mehreren Fällen je zwei der alten Grundstücke in einer Hand vereinigt, andererseits drei Kleinstellen abgezweigt, zu denen sich in den nächsten Jahrzehnten nicht weniger als 19 neue Kleinstellen gesellten. Auch lebten damals in Soldahnen 11 Tagelöhner, ein Schmied und ein Hirt. Größere Besitzungen bildeten sich in Soldahnen in jüngster Zeit nur in geringem Umfang. 1932 hatten fünf größere Besitzer zusammen 301 ha, davon 204.5 ha Acker, 10 ha Wiesen, 29,5 ha Weide, 18 ha Wald, 39 ha Unland und Wege. So hat Soldahnen trotz seiner Entlegenheit und trotz der geringen Güte seines Bodens eine fast stetig steigende Einwohnerzahl gehabt: 1839 192 Einwohner, 1863 280, 1885 368, 1905 376, während in der Nachkriegszeit entgegen der sonstigen Entwicklung keine Zunahme erfolgt ist (1928: 374). Der Gesamtviehbestand betrug 1863: 58 Pferde, 113 Rinder, 271 Schafe, 103 Schweine; 1900: 94 Pferde, 173 Rinder, 81 Schafe, 146 Schweine. Die fünf größten Besitzer hatten 1932 44 Pferde, 103 Rinder, 35 Schafe und 104 Schweinen.

1737 wurde Soldahnen nach Pietzonken im heutigen Kreis Lötzen eingeschult. 1760 erbot sich das Dorf, einen eigenen Lehrer zu halten, was aber nicht gestattet wurde. Hingegen bestand 1774 eine Schule mit 33 Schülern. 1788 waren von 14 Bauern neun Analphabeten. 1806 starb der Lehrer Korsonek nach 33jähriger Amtszeit; hat er diese in Soldahnen ganz verbracht, so ist die Schule vermutlich 1773 gegründet worden. Der Lehrer hatte damals einen Morgen Acker, ein Gärtchen von 1 1/2 Scheffel Kartoffelaussaat, etwas Wiese, zwei Achtel Holz, 10 Scheffel 10 Metz Korn und halb soviel Gerste und an hohen Feiertagen von jedem Wirt einen Fladen. Hierzu wird 1835 ergänzt, daß jedes Kölmerkind sieben Silbergroschen sechs Pfennig, jedes andere Kind fünf Silbergroschen Schulgeld zahlte. 1859 hatte die Schule 61 Kinder und 1889 77.

1835 wurde Neu Soldahnen mit sieben Einwohnern und in einer Größe von 10 Kölmischen Hufen (165 ha) von Soldahnen separiert und auf Antrag des Gutsbesitzers Behr als Gut anerkannt. Das Gut hatte 1863 47 Einwohner, 1905 64 und 1928 56. Sein Umfang betrug 1903 250 ha, 1922 248 ha und 1932 225 ha, es war also seit der Entstehung ziemlich vergrößert worden. Von den 225 ha dienten 1932 148 ha als Acker, 40 als Weide, 20 als Wald, je ein ha waren Unland und Wasser. Viehstand: 1863: 20 Pferde, 32 Rinder, 370 Schafe, 14 Schweine; 1900: 15 Pferde, 76 Rinder, 0 Schafe, 26 Schweine; 1932: 14 Pferde, 60 Rinder, 0 Schafe, 100 Schweine. Das Gut liegt wohl im wesendlichen im Gebiet des einstigen Übermaßes des Dorfes Soldahnen.

Nachtrag

Bis zum Jahre 1867 gab es in den Grenzen des Dorfes Soldahnen nur die damals üblichen, recht einfachen Landwege. In den Jahren 1867/70 wurde vom Kreisverband Angerburg (als Notstandsarbeit) die wichtige Chaussee Angerburg-Lötzen erbaut, die in einer Länge von etwas mehr als 1 km den westlichen Teil der Gemarkung Soldahnen durchschneidet. Von dieser Chaussee ließ der Kreis als Abzweigstrecke in den Jahren 1880/82 die Chaussee Soldahnen-Kruglanken bauen, deren Linienführung von dem Verlauf des alten Weges völlig abwich. In den 1930er Jahren wurde der kurze Landweg, der von dieser Chaussee zur Dorflage führte, als feste Straße ausgebaut. Der Plan, den durch die geschlossene Ortslage führenden Weg ebenfalls als feste Straße auszubauen, lag schon fertig vor; der Zweite Weltkrieg mit seinen Unheilfolgen verhinderte die Ausführung dieses Planes.

Der wichtigste Bahnhof für Soldahnen war Kruglanken. Hier wurden aus der Gemeinde vor dem Ersten Weltkrieg vornehmlich Steine verladen, an denen das Dorf nicht arm war.

Etwa 1930 wurde der Ort an das Überlandnetz angeschlossen. Damit hatten die Einwohner elektrisches Licht erhalten, und die landwirtschaftlichen Betriebe bezogen für ihre Maschinen nun auch den Kraftstrom.

Die Zahl der Abbaugehöfte überstieg um ein Geringes die Zahl der Höfe innerhalb der geschlossenen Ortschaft. - Soldahnen war ein ausgesprochenes Bauerndorf mit gutem Mittelboden. Einige Teile des Ortes hatten leichten Boden (Sand), vor allem Teile des Gutes Neu Soldahnen.

An Gewerbebetrieben gab es nur eine Gast- und Schankwirtschaft, einen Hökereibetrieb und eine kleine Schmiede.

Von einem freien evangelischen Gemeinschaftskreis wurde 1930 in der Nähe des Abbaugehöfts Zacharias, unmittelbar an der Chaussee nach Kruglanken, eine kleine Kapelle errichtet, in der gelegentlich auch Pfarrer Lange aus Kruglanken Gottesdienste abhielt. Die Einwohnerzahl der Gemeinde betrug 1939: 430.

Im Ersten Weltkrieg wurde das Gebiet der Gemeinde Soldahnen beim ersten feindlichen Einbruch (August/September 1914) nur von russischen Spähtrupps erreicht, da der Ort im Wirkungsbereich der Festung Boyen lag, die von den Russen zusammen mit der angrenzenden Stadt Lötzen umgangen wurde. Die Sachschäden waren demzufolge nicht erheblich. Das Abbaugehöft des Bauern Jeromin, nahe des Kruglanker Waldes, wurde völlig zerstört; es wurde an einer anderen Stelle des Grundstücks neu aufgebaut. Sehr schmerzlich war der Verlust an Menschenleben durch feindliche Hand. Eine überraschend auftretende größere Kosakenpatrouille überfiel beim Gehöft Sadlack eine Ansammlung von Deutschen, die dort als Flüchtlinge Station gemacht hatten. Mehr als 20 Männer wurden von dem Spähtrupp nach Kruglanken eskortiert.

Bei der zweiten Russeninvasion von November 1914 bis Februar 1915 wurden die Abbauten des östlichen Teils der Gemeinde und der Friedhof von den Russen besetzt. Der Westteil des Ortes lag damit im Schußbereich der Russen. Einige Baulichkeiten wurden beschädigt, andere zerstört.

Der Zweite Weltkrieg brachte der Gemeinde ungleich Schwereres. Wie alle Einwohner der vom Feind bedrohten Ortschaften begaben sich auch die Einwohner von Soldahnen auf die Flucht nach dem Westen. Nur wenige flüchteten frühzeitig. Der größere Teil der Gemeindebewohner wurde im Ausweichkreis Heilsberg von den feindlichen Truppen überrollt.

Ein Teil der Einwohner, die das Inferno jener Tage überlebten, kehrte in die Heimatgemeinde Soldahnen zurück. Manche fanden Haus oder Wirtschaftsgebäude zerstört, andere standen vor schweren Verwüstungen ihres Besitzes. In der Hoffnung, daß sie auf ihrer Scholle das Leben in Frieden würden fortsetzen können, gingen sie ans Werk, auch wenn nun alles lebende Inventar fehlte und wertvolle Maschinen von den Russen wegtransportiert worden waren. Es war ein überaus schwerer Anfang und im Blick auf den Ausgang des Krieges ein nutzloses Beginnen. Von den verlassenen Gehöften nahmen Polen Besitz. Für die deutschen Einwohner war dies nicht mehr die Heimat wie ehemals; sie fühlten sich unter den Eindringlingen in zunehmendem Maße fremd. So verließ, wenn auch schweren Herzens, einer nach dem anderen den geliebten Heimatort, und diejenigen, die länger durchhielten, fühlten sich nun noch mehr verlassen. 1967 ist die letzte deutsche Familie nach Westdeutschland abgereist. Damit ist Soldahnen nun vollkommen polnisch besetzt. - Die Soldahner haben ihre Heimat verloren. Die Geschichte einer deutschen Gemeinde hat einen jähen Abschluß gefunden. Für immer? Das weiß nur der Höchste, unser Gott.

Im Zeitpunkt vor der Flucht 1944/45 waren Bürgermeister des Ortes: Bauer Artur Cziesla, verstorben während des Einsatzes am Ostwall in Litauen; Gemeindekassenverwalter: August Cinlay; Lehrer: Alfred Borowy und Helmut Lampe.

E. Sadlack (abgedruckt in E. Pfeiffer: Der Kreis Angerburg).

Der erste Teil zur Geschichte ist eine Abschrift von E. Sadlack aus einer Chronik zum Kreis Angerburg von Dr. Hein (Direktor Pr. Staatsarchiv in Königsberg/Pr.), die im Krieg zerstört wurde.


Dorfskizze von Soldahnen zur Vergrößerung bitte die Skizze anklicken (>4 MB)

 

 Familienliste von Soldahnen (vor 1945)

Ergänzungen und Richtigstellungen von Namen, Berufsbezeichnungen und Gebäudezuordnungen
bitte an webmaster@angerburg.de schreiben. Ihre Angaben werden kurzfristig in die Liste übertragen.

Namen  Plan Nr.
Schweiger, Fritz (83,92 ha) 1
Insthaus Fritz Schweiger 2
Gandt, Robert 3
Holz, Robert 4
Nickel, Max 5
Döbler, Erich 6
Lalla, Johann 7
Kutz, Karl 8
Miethaus Max Cziesla 9
Fydrich, Wilhelm 10
Bielinski, Martha 11
Schuran, Ernst 12
Kozanowski, Gustav 13
Philipzig, Karl 14
Zacharias, Johann 15
Christliche Kapelle 16
Insthaus August Franz 17
Franz, August (ca. 75 ha) 18
Drost, Emil 19
Komossa, Robert 20
Mörchel, Wilhelm 21
Lalla, Wilhelm 22
Zacharias, Gustav 23
Schule 24
Stall Helene Neuhaus 25
Kraffzick, Marie 26
Kasper, Gustav 27
Janetzko, Maria 28
Cziesla, Max 29
Chrzan, Emil 30
Kratzat, Paul 31
Miethaus Johann Lalla 32
Cinlay, August 33
Gemeindeschmiede, Schmied August Karos (bis 1940) 34
Kruska, Hermann 35
Bielinski, Artur 36
Miethaus Anton Glinka 37
Miethaus Anton Glinka 38
Glinka, Anton 39
Kraffzick, Gustav 40
Miethaus Gustav Kraffzick 41
Neuhaus, Helena (Gastwirtschaft) 42
Szepan, Richard 43
Cziesla, Artur (Bürgermeister) 44
Nieswandt, Friedrich 45
Zentarra, Max 46
Tretzack, Paul 47
Miethaus Friedrich Jaquet 48
Lalla, Gottlieb 49
Miethaus Albert Schuran 50
Schuran, Albert 51
Miethaus Bruno Böttcher 52
Miethaus Albert Schuran 53
Broszio, Alfred (bis 1900 Schule) 54
Böttcher, Bruno 55
Paulick, Emil 56
Jaquet, Friedrich 57
Jeromin, Franz 58
Kalinna, Gustav 59
Insthaus Auguste Pasternack; August Karos mit Ehefrau Frieda geb. Skibba 60
Pasternack, Auguste 61
Kriebel, Georg (Gut Neusoldahnen 225 1/2 ha) 62
Insthaus Georg Kriebel 63


Hof Sadlack in Soldahnen, später Gustav Kasper

 

Das Gut Neu Soldahnen

1914 wurde das Gut beim Russeneinfall fast vollständig zerstört. Auf einem Soldatenfriedhof wurden 4 unbekannte deutsche und 4 unbekannte russische Soldaten bestattet.

1920 erwarb Herr Klowekorn das Gut. Da es damals noch kein Gutshaus gab, mußten er und seine Familie, bis zur Fertigstellung des Hauses, in einem Insthaus wohnen.

1928 wurde das Gut von August Kriebel für seinen Sohn Hans-Georg Kriebel (*03.09.1897 Spechtsdorf / Krs. Arnswalde / Ostbrandenburg / + 05.1.1972 Köln) ersteigert.
Hans-Georg Kriebel wurde als Sohn des August Kriebel, Administrator des Gutes Spechtsdorf des Baron von Klitzing, geboren. Der Vater pachtete um 1905 die Staatsdomäne Mirchau / Krs. Karthaus. Über diese Mirchauer Jahre ist wenig bekannt. Bis zur freiwilligen Meldung als Kriegsfreiwilliger des Ersten Weltkrieg besuchte Hans-Georg Kriebel das Gymnasiums in Lauenburg / Pommern. Vom 01.11.1919 bis 1920 absolvierte Hans-Georg Kriebel sein praktisches 1. Lehrjahr auf der Staatsdomäne des Vaters. Durch den Versailler Vertrag ging die Domäne an Polen verloren und der Vater erwarb das Gut Klein Kosuchen / Krs. Lötzen (s.d.). Hans-Georg Kriebel hatte am 24.03. desselben Jahres in Berlin-Zehlendorf Erika geb. Schildt (*05.08.1900 Marzdorf / Krs.Deutsch-Krone / Westpr. / + 04.03.1992 Merzenich / ) geheiratet. Das Ehepaar hatten die Kinder Hildegard (*1928 Neu Soldahnen), Ursula (*1930) und Fritz-Karl (*1931).

Gutshaus
Beim Einmarsch der Russen 1914 in Ostpreußen wurde das Gutshaus zerstört. Erst 1920 kam es durch einen nicht bekannten Architekten zum Wiederaufbau. Es war damals üblich, daß Gutshäuser erst nach den Wirtschaftsgebäuden wiederaufgebaut werden durften. War Wohnraum für die Gutsbesitzerfamilie vorhanden, wurde die Baugenehmigung für Gutshäuser durch die Baubehörde in Königsberg zunächst nicht gestattet, so daß sich der Wiederaufbau verzögerte. Es entstand ein einstöckiger, 9-achsiger, grauer Putzbau mit sichtbarem Feldsteinsockel und rotem Krüppelwalmdach. Um die braunen Doppelfenster waren weiße Putzrahmungen und auch das Traufgesims mit Zahnschnitt und die im Putz leicht zurückspringenden, angedeuteten Rundbogenöffnungen des Mittelrisalits waren weiß gestrichen. Fenster und Türöffnungen hatten jedoch hier wie überall gerade Abschlüsse. Über dem dreiachsigen Mittelrisalit beider Langseiten lag je eine Oberstube mit spitzem Giebelfeld, in dem jeweils ein Halbrundfenster lag. Nur an der Hofseite tritt das Risalit aus dem Baukörper hervor. Das Haus ist im Stil der Heimatschutzbewegung gestaltet und entspricht der modernen Form eines ansonsten typischen alten ostpreußischen Gutshauses. An der Gartenseite lag eine massive, verglaste Veranda mit Balkon für die Oberstube. Anfang der 30er Jahre wurde an der Seite ein Vorbau angefügt.

Auszug aus einem Bericht von H. Förmer (1998)