Talheim (Poln. Dombrowken)


Schule von Talheim 1942

Aus der Geschichte des Ortes
von Georg Malz

Talheim liegt zwischen Benkheim und Albrechtswiesen, ca. 300 m südlich von der Straße Angerburg-Goldap entfernt. Seine Flächengrösse lag 1939 bei 840,5 ha. Die Einwohnerzahl betrug 391.

Letzter Bürgermeister von Talheim war der Landwirt Richard Szoebb. Der Ort gehörte zum Amtsbezirk Benkheim. Letzter Amtsvorsther war hier Otto Naujoks.

Als Ortsteile gehörten zu Talheim: Albrechtswiesen, Bahnhof, Grünwalde und Tannenberg sowie Rosenthal. Talheim und seine Ortsteile gehörten zum Sprengel der Benkheimer Kirche.

  Die Siedlungsspuren auf der Gemarkung Talheim reichen bis in die Jüngere Steinzeit zurück.

Ein in Talheim aufgefundener undurchbohrter Steinhammer sowie eine Streitaxt wurden 1937

dem Landesamt Königsberg übergeben. Auf einem Hügel der Umgebung entdeckte man ein

Gräberfeld mit Brandbestattungen, das in der römischen Kaiserzeit angelegt worden war.

  Die neuzeitliche Geschichte des Ortes beginnt 1563. In diesem Jahr erfolgt die Verschreibung von 60 Hufen für Zwecke einer Dorfgründung. Ein Zehntel dieser Fläche (6 Hufen) erhalten

die Brüder Raphael und Nikolay Pietrafzigk sowie Merthen Kroppel (aus der Gegend um Rhein stammend) zum Schulzenamt. Wie auch bei anderen Dorfgründungen in Ostpreußen üblich, haben sie die Aufgaben des Schulzen jeweils im Wechsel wahrgenommen.

  Zur Unterscheidung von einem schon existierenden gleichnamigen Ort im Kr. Angerapp wurde die Ortsbezeichnung (ursprünglich: Damerau) Polnisch Dombrowken gewählt, welche bis 1904 beibehalten wurde.

Ihre Scharwerksdienste dürften die Bauern auf den Domänenvorwerken Popiollen und/oder Sperling abgeleistet haben.

  1847 lebten in Poln. Dombrowken 360 Menschen in 40 Häusern; in Grünwalde 80 Menschen in 8 Häusern und in Tannenberg 145 Menschen in 17 Häusern. Um 1860 gehörten zum Dorf 47 Hufen, und es hatte 288 Einwohner. In Grünwalde und Tannenberg wurden 87 bzw. 125 Einwohner gezählt. Die zuständige Polizeiverwaltung lag zu dieser Zeit in Ziemianen.

Bis 1897 hatte sich die Einwohnerzahl in Poln. Domrowken stark erhöht. Sie lag jetzt bei

504 Personen. Rosenthal (Abbau) hatte 44 Einwohner.

1903 gehörte das Gut Rosenthal (224 ha Betriebsfläche) Ferdinand Holzmann. Bis 1920 hatte sich die Betriebsfläche auf 232 ha erhöht. Emil Holzmann, der spätere Besitzer, züchtete Pferde und Rinder und unterhielt einen Mühlenbetrieb sowie eine Meierei. Für 1932 lauten die Angaben über die Betriebsgrösse: 175 ha. Offensichtlich ist es auch hier zu Landverkäufen für Siedlungszwecke gekommen.

  In Tannenberg existierte 1903 ein Vorwerk mit einer Betriebsfläche von 280 ha., auf dem vor allem Rinderzucht betrieben wurde. Besitzer des Vorwerks war um diese Zeit Heinrich Footh.

  Etwas abseits vom Dorfkern lag das Gut Talheim mit einer Betriebsfläche von 253 ha. Sein Besitzer war Otto Weinland, der beim Ausbau des Genossenschaftswesens im Kreis Angerburg sehr engagiert war. 1932 wurden auf dem Gut Talheim 29 Pferde, 125 Rinder sowie 80 Schweine gehalten. Weinland verkaufte das Gut an die Ostpreußische Siedlungsgesellschaft, die 1905 in Königsberg mit dem Ziel gegründet worden war, die bäuerliche Neusiedlung in der Provinz voranzutreiben.

  Um die Jahrhundertwende, verstärkt nach dem Ende des 1. Weltkrieges hatte vor allem in den östlichen Provinzen Deutschlands eine Phase bäuerlicher Neusiedlung eingesetzt. Diese sollte die Abwanderung von Arbeitern in westdeutsche Industriereviere stoppen. Das 1919 erlassene Reichssiedlungsgesetz sowie das Osthilfegesetz von 1929 unterstützten dieses Vorhaben. Für Siedlungszwecke kamen vorrangig der staatliche und private Großgrundbesitz in Betracht. Letzterer war stark überschuldet und nach dem Kriegsende am Landverkauf interessiert, weil z.B. der Erbe gefallen und andere Kinder die Weiterführung verschuldeter Betriebe ablehnten, zumal auch die Abschnürung Ospreußens vom restlichen Deutschland den Absatz landwirtschaftlicher Produkte beeinträchtigte.

Als Siedlungsgrößen für neue bäuerliche Betriebe waren für Vollbauern 60 ha und mehr, für Halbbauern ca. 7,5 ha und für Nebenerwerbssiedlungen  2 ha vorgesehen. Die Aufsiedelung des Gutes Talheim war nach dem Verkauf in die Wege geleitet, aber bis 1944 noch nicht abgeschlossen worden. Nur ca. 45 ha waren an 10 Anlieger zur Vergrößerung ihrer Betriebsflächen abgegeben. Das Restgut wurde von Herrn Kirchhoff verwaltet.

Für Siedlungszwecke wurden im Kreis Angerburg auch schon vor dem 1. Weltkrieg Flächen zur Verfügung gestellt (z.B. in Reußen, Rehsau, Siewken, Langbrück). Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die Aufsiedlung der einzigen im Kreis noch vorhandenen Staatsdomäne Sperling in Angriff genommen. und auch weitere private Güterkomplexe in den Aufsiedelungsprozess einbezogen (z.B. Albrechtswiesen, Klimken, Masehnen, Pilwe).

Übrig blieben meist Restgüter mittlerer Größe.

  Eine Schule wurde in Talheim im Jahre 1737 gegründet. Sie lag am Süd-Ende des Dorfes an der Straße nach Heidenberg. Zum Schulland gehörten 1929 rd. 34 Morgen. Um diese Zeit wurden hier 71 Schüler unterrichtet. Als erster Lehrer begegnet uns 1783 Martin Scech. Von 1908-31 hatte die Lehrerstelle Johann Becker inne. Letzter Stelleninhaber war Otto Salomon (1887-1952). Das Schulgebäude in Talheim hat 1939 einen Anbau erhalten.

Wegen der sich verstärkenden Bombenangriffe auf Berlin wurde im Frühjahr 1943 eine ganze Schulklasse von hier nach Talheim evakuiert, einschl. des Lehrpersonals sowie Müttern und kleineren Geschwistern der Schüler. Wegen der näher rückenden Ostfront erfolgte der Rücktransport im Frühsommer 1944, also nur wenige Monate bevor auch die Dorfbewohner einem ungewissen Flüchtlingsdasein ausgesetzt wurden.

Quellen: AHB, Schmidt, Pfeiffer, Rech.Vf.


Dorfskizze von Talheim 

 Familienliste von Talheim (vor 1945)
aus AHB 77 von Heinrich Stellmacher
Ergänzungen und Richtigstellungen von Namen, Berufsbezeichnungen und Gebäudezuordnungen
bitte an webmaster@angerburg.de schreiben. Ihre Angaben werden kurzfristig in die Liste übertragen.

Name Plan Nr.
 
Borzium 1
Moritz 2
Schreckling 3
Lilleike 4
Könke 5
Scharenweber 6
Boltsch Frau 7
Krause, E. 8
Srellmacher 9
Janzon 10
Pretzel 11
Janzon, H. 12
Pauluhn, K. 13
Truschkat, E. 14
Molks 15
Klahr Frau 16
Weh 17
Lapp (Post) 18
Butschkus 19
Kalweit, W. 20
Truschkat, H. 21
Steinke, Otto 22
Krüger, R. 23
Schäfer 24
Schwartinski 25
Salomon, Otto 26
Urban, R. 27
Kirchhoff, A. 27a

mein Großvater EMIL BARNOWSKI gest. 1949 und meine Großmutter GERTRUD BARNOWSKI geb. 06.04.1907 gest. 24.06.1989 haben mit ihren Töchtern GERDA (meine Mutter) geb. 26.01.1927 gest. 14.07.2013; EDITH geb. 25.01.1930 gest. 10.03.2010; RUTH geb.19.01.1935 und DORIS geb. 06.04.1939 bis zur Flucht auf dem Vorwerk in Talheim gelebt.
Dieses Vorwerk (Vorhof) befand sich in Talheim von der ehemaligen Schule gesehen in Richtung über den kleinen Bach.Von hier ca. > 100m ( s. Skizze) findet man noch die Grundmauern diese Hofes.
Ein Kirschbaum, der am Wohnhaus steht bzw. stand war 1996 noch auf der satten Wiese.
Mein Großvater war bis er in den Krieg mußte dort Verwalter.

von Manfred Ziegenfuß, einges. 20.05.2015